Camino del Norte 2015

von Irun nach Santander

 

Donnerstag, 2. Juli 2015 - Anreisetag
 

Um 4.00 Uhr ist Tagwache und um 4.45 Uhr Abfahrt mit dem eigenen Auto zum Flughafen in Zürich. Nachdem wir das Auto am Airportparking abgegeben haben, geht’s weiter zum Check-in. Auch noch für einen Kaffee reicht die Zeit bevor es dann mit dem Bus zum Flieger geht. Mit einer halben Stunde Verspätung geht es endlich los Richtung Spanien. Zuerst nach Madrid und mit einem kleineren Propellerflieger weiter nach Irun. Auf diesem Flug haben wir Fensterplätze und geniessen die Aussicht. Dabei sehen wir, dass sehr viele Gebiete mit Strassen und sogar Kreisel erschlossen sind, aber nicht überbaut. In Irun landen wir bei bewölktem Wetter mit leichtem Nieselregen. Es ist angenehm kühl-warm. Das Taxi bringt uns zur Pension in Irun, wo wir gleich das Zimmer beziehen und unsere Rucksäcke für die kommenden Wandertage umpacken. Dann endlich geht’s auf die Suche nach dem ersten Pilgerstempel. Bei der Suche der Kirche ist uns ein freundlicher, älterer Herr  behilflich und führt uns dorthin. Leider ist sie geschlossen und wir warten bei einem Bier bis die Pilgerherberge öffnet, wo wir dann unseren Stempel kriegen. Unterdessen ist es recht kühl geworden und Heiner ärgert sich über die am Flughafen liegen gebliebene Fleecejacke. Auf dem Rückweg in die Pension decken wir uns noch mit dem ersten iberischen Jamon und Wasser ein. Heute Abend bestellen wir auch schon unser erstes Pilgermenu mit Cipriones.

 

Freitag, 3.Juli 2015 - Irun - Pasai Donibane (22 km)
 

Wir sind ganz kribelig, endlich mit unserem Weg beginnen zu können und so erwachen wir heute früh ganz ohne Wecker. Bereits um 7.00 Uhr sind wir bereit für's erste Desayuno mit Tostados und Kaffee. Dann geht’s endlich los auf den Camino del Norte! Noch rasch Brot einkaufen bevors Richtung Hondarabia weiter geht. Auf dem Weg treffen wir eine nette, alte Dame, die uns den Weg weist und mit uns einige Worte auf Französisch wechselt.  Zuerst geht es durch ein Feuchtgebiet und dann hoch zur Kirche von Maria de Guadelupe der Patronin von Irun. Eigentlich ist es nicht sonderlich heiss und die Steigung ist angenehm, aber der Schweiss trieft trotzdem. Nach der Kirche nehmen wir dann den Steig für Alpinisten, der auf gut Schweizerdeutsch „gerade s’Loch hoch geht“. Nach diesem schweisstreibenden Aufstieg werden wir mit einer herrlichen Sicht aufs Meer und Irun belohnt. Hier oben fühlen wir uns wie auf einer Schweizer Alp (nicht zuletzt wegen den vielen Kuhfläden und Geissenbölleli auf dem Wanderweg). Auf dem Jazkibel haben wir dann eine wunderbare Rundsicht. Der anschliessende Abstieg ist am Anfang herausfordernd: sehr steil, über Felsen und steirnene Wege. Hier sind Wanderschuhe und Trittsicherheit gefragt. Nach einer kurzen Mittagsrast bei einem zerfallenen Turm geht’s weiter steil hinunter nach Pasaia. Dabei wird es immer heisser und wir schwitzen mächtig. Eigentlich wollten wir in Pasaia ein Taxi für die Fahrt in die Pension nehmen, aber hier gibt’s kein Taxi. So wandern wir nach einer ausgiebigen „Flüssigkeitsaufnahme“ und einem Schuhwechsel in die Sandalen (der ganze Weg wird dann unter dem Motto stehen „halten meine Füss durch“) in der Mittagshitze zu unserer Unterkunft. Wie es auch in den kommenden Tagen üblich sein wird, geht es natürlich nun wieder steil hoch bis zur Pension. Dafür ist das Zimmer hier klimatisiert und wir geniessen die ausgiebige, kühle Dusche. Leider gibt’s in der Pension keine Bar und der Inhaber erklärt uns, dass es ganz in der Nähe eine Pastelleria gibt in die wir schurrstraks gehen. Hier gönnen wir uns ein erfrischendes Bier oder zwei mit selbstgemachtem Apérogebäck. Auch einige alten Damen gönnen sich hier ein Bierchen (80- bis 90-jährige). Auf der anschliessenden Suche nach einer Bar fürs Abendessen gehen wir durch einen „Freiluft-Fitness-Park“ in dem doch tatsächlich bei diesen Temperaturen eine ältere Dame Übungen macht. Wir finden zwar keine „Essbar“ dafür eine „Quartierbeiz“ bei der es feine Tortilla Espana gibt. Wir bleiben hier eine lange Zeit und beobachten das „spanische Treiben“ in dieser Bar. Vergeblich warten wir auf kühlere Temperaturen und machen uns halt dann doch wieder auf den Rückweg. Zuerst erledigen wir aber noch unsere Einkäufe (viel Wasser) für morgen im Quartierladen, wo auch alle anderen Beizbesucher eingekauft haben. In der Unterkunft ist erneutes Duschen, Klimaanlage einstellen und Rucksack packen angesagt.

 


Samstag, 4.Juli 2015 - Pasai Donibane - San Sebastian (12 km)
 

Nach dem spanischen Frühstück in der Pension gehen wir heute auf der von gestern gegenüberliegenden Hafenseite zurück auf den Jakobsweg. Nach anfänglicher, unterschiedlicher Meinungen betreffend der Marschrichtung hat uns das GPS wieder auf einen Nenner gebracht. Wir kaufen noch Wasser ein und stehen dann unvermittelt vor einer Treppe auf der uns der Jakobsweg steil hinauf führt. Oben angekommen, haben wir einen herrlichen Blick auf Donibane. Wir marschieren kurz auf einem Teersträsschen durch den Wald und schon wandern wir auf einem wunderschönen, schmalen Küstenpfand mit einzigartigem Blick auf das Meer. Die satten Farben grün und blau beeindrucken uns sehr. Sogar die Hortensien wachsen hier wild und wir sehen Farn so weit das Auge reicht. Wir geniessen die Wanderung auf diesem sehr schönen Wegabschnitt und machen viele Fotos. Auf diesem Küstenpfand geht es immer auf und nieder, mal steiler und mal weniger steil. Vor dem letzten (für mich mega) steilen Abstieg nach San Sebastian tut sich ein imposanter Blick auf die Bucht auf. Unten auf der Promenade angekommen, steuern wir auf das erste Restaurant zu, das  am Meer liegt.  Wir geniessen die Meeresbrise und ich ziehe für die letzten Kilometer bis zur Pension wieder die Sandalen an. Da wir schon früh nach dem Mittag im Hotel sind, nutzen wir die Zeit und machen unsere Wäsche. Das erste Mal wird nun die Schnur montiert und die Wäsche daran aufgehängt. Danach geht’s in die Altstadt, wo wir von der Menschenmenge überrascht sind. Es gibt fast kein durch kommen und die Tapa-Bars sind überfüllt.  Schliesslich finden wir doch noch einen Platz für unser Mittagessen gegen 15.30 Uhr, was in Spanien ja fast normal ist. Wir geniessen unsere grossen Portionen Spare Ribs und Calamares bei einem guten Glas Wein bzw. Bier. Die vollen Bäuche machen eine verspätete  Siesta nötig. Doch vorher heisst es Wäsche umhängen und zwar unter den Ventilator, damit sie dann morgen auch trocken ist. Am Abend machen  wir uns dann wieder in die Altstadt auf, um die nun geöffneten Kirchen zu besichtigen und in der Hoffnung doch noch einen Pilgerstempel zu erhalten. Doch wir kehren nur mit einem Schlummerbecher im Bauch zurück. Da wir neben dem Bahnhof übernachten, sind Ohropax angesagt und ich schlafe himmlisch…

 


Sonntag, 5.Juli 2015 - San Sebastian - Zarautz (25 km)
 

In der Nacht hat es stark geregnet und gewittert. Dank den Ohropax habe ich nichts mitgekriegt. Die Wäsche ist jetzt auch trocken, schnell zusammenpacken und weiter geht’s. Wir marschieren rund eine Stunde auf der Promenade dem Strand entlang bis es ein Frühstück gibt. Heute genehmigen wir uns gleich zwei Bocadillos mit Jamon. Kurz nach dem wir weitermarschiert sind, beginnt es zu tröpfeln und wir müssen unsern Regenschutz montieren. Dann geht’s weiter hoch zur Pilgerherberge, wo wir tatsächlich einen Stempel erhalten. Wieder auf dem Jakobsweg zurück, führt uns eine Treppe und dann ein Wanderpfad den Berg hinauf. Hier treffen wir auf eine Strasse, der wir ein Stück entlang wandern bis der Jakobsweg in ein Seitensträsschen durch Häuser abzweigt. Kurz darauf sehen wir am Strassenrand einen kleinen Pilgerrastplatz mit Wasser, Stühlen und sogar Pilgerstempel. Noch während wir unsere Pilgerpässe hervorsuchen, kommt ein älterer Herr mit Wasserflaschen auf uns zu. Wie sich während dem Gespräch herausstellt, hat er den Rastplatz eingerichtet und erzählt uns auch, dass er schon verschiedene Jakobswege gegangen ist. Auch hat er schon mehrere Berge in der Schweiz bestiegen, wie Eiger, Jungfrau …..  Auch die Fuente mit Trinkwasser auf die wir auf unserer heutigen Wanderung noch treffen werden, hat er eingerichtet. Diese Begegnung halten wir mit einem Foto fest. Und schon geht’s weiter auf dem Camino del Norte …. heute auf Strässchen, Trampelpfaden zwischen hohem Farn, in Wäldern, teils mit Aussicht auf die Küste, an Gehöften mit Kühen und Schweinen vorbei.  Dabei haben diese Höfe meist eine sensationelle Aussicht aufs Meer. Die Landschaft ist wieder sehr grün und auf den Wiesen blühen dieselben Gräser wie bei uns. Leider sind heute auf unserem Weg alle Bars und Restaurants geschlossen. Zum Glück haben wir gut gefrühstückt und genügend Wasser dabei. Die heutigen Abstiege sind wieder sehr steil, v.a. bis Orio geht’s praktisch nur steil abwärts und das auf steinigem oder felsigem Untergrund. Die Füsse tun ganz schön weh! Bei der Pilgerherberge vor Orio machen wir halt und können endlich eine doppelte Ration kühle Erfrischung beim Automat rauslassen. Es gibt auch noch einen Pilgerstempel. Wie uns die Hospitalera informiert, seien es bis zu unserem Ziel noch rund 5,5 km und es läge noch ein kleiner, einfacher Berg dazwischen. So geht’s weiter ins Dorf runter und hier treffen wir wieder auf den Jungen, den wir schon bei der Herberge gesehen hatten. Er kann kaum noch gehen…. Im Dorf Orio genehmigen wir uns noch Kaffee und Kuchen bevor es auf zum letzten Teilstück geht. Wie sich herausstellt ist das „Berglein“ nicht ganz ohne….. Dafür der Abstieg etwas angenehmer. Am Dorfrand heisst es rasch Schuhe wechseln für den letzten, langen Kilometer auf Asphalt bis zur Pension. Anscheinend müssen wir im Städtchen einen verlorenen Eindruck machen und ein netter Herr hilft uns bei der Suche nach der Unterkunft. Heute versuche ich zum ersten Mal Sidra, der genau gleich schmeckt wie früher der Saft von meinem Grossvater. Danach gibt’s noch Eis und einen Milchkaffee, zum Glück macht das mein Darm problemlos mit.


Montag, 6.Juli 2015 - Zarautz - Deba (24 km)

Heute dürfen wir uns auf ein reichhaltisges Frühstück vom Buffet freuen. Danach geht’s zuerst rund 4.5 km dem Meer entlang bis zum nächsten Dorf. Dabei treffen wir auf viele Jogger, Marschierer und auch Pilger. Wir geniessen die Meeresluft bevor es dann heute das erste Mal so richtig steil hoch geht. Oben angekommen, wollen wir in der Herberge einen Stempel holen, leider ist sie bereits geschlossen. Auf dem Camino geht es weiter stetig auf und ab, mal mehr, mal weniger steil. Dabei ähnelt die Landschaft derjenigen in unserem Fribourgerland. Danach geht es heute zum ersten Mal richtig steil runter nach Zumai, wo wir auf einer Parkbank mit Blick auf einen kleinen See eine Rast machen. Kurz darauf geht es wieder steil hoch. Dieses Mal werden wir für unsere Anstrengung aber mit einem alles überragenden Blick aufs Meer belohnt. Wir machen auf einer Bank am Schatten eine Pause. Dabei gehen mehrer Pilger in Gruppen an uns vorbei.  Zwei junge Mädchen gesellen sich zu uns auf die Bank, welchen wir dann währendem Tag mehrmals begegnen. Auch heute geht es immer wieder steil hoch und runter. Es will einfach nicht aufhören. Dabei schwitzen wir mächtig. Zum Glück haben heute mehr Restaurants offen, wo wir unseren grossen Drust löschen können. Heute lassen wir sogar Getränke an einem Automaten raus. Der Abstieg nach Deba kommt mir heute „mega“ steil vor! Die Füsse schmerzen und das Knie meldet sich auch langsam. Welch eine Wohltat als der gelbe Pfeil auf einen Lift  „nach unten“ zeigt! In Geteria hatten wir noch über die Freiluftrolltreppe gewitzelt, aber jetzt würden wir jedes Hilfsmittel benutzen! In Deba übernachten wir in einem privaten Haus mit mehreren Gästezimmern, sehr gediegen! Heute ist Waschtag angesagt, bevor es wieder ins Städtchen geht. Sogar die Kirche ist offen (vermutlich auch nur für ein Rosenkranzgebet) und sehr sehenswert! Danach gibt’s sogar in einem Restaurant ein Pilgermenu, das hier wirklich nur Pilger erhalten.

 

Dienstag, 7.Juli 2015 - Deba - Markina (27 km)
 

6.30 Uhr Tagwache, Wäsche abhängen und was nicht ganz trocken ist an den Rucksack hängen. Heute Morgen ist es so warm, dass wir unser Frühstück auf der Terrasse einnehmen können. Nach dem Einkauf von frischem Brot sind wir auch schon wieder auf dem Camino. Zuerst geht es ganz harmlos dem Hafen von Deba entlang bis der Pfeil zu einer Treppe weist, die uns steil nach oben führt wo wir mit einem herrlichen Blick auf Deba belohnt werden. Heute sind die Aufstiege happig, lang und steil. Trotzdem können wir die idyllische Ruhe und das „Vogelgezwitscher“ geniessen. Bei einer Pilgerherberge machen wir kurz halt, holen uns den Stempel und trinken etwas. Hier treffen wir wieder auf Pilger, die wir gestern gesehen hatten. Kurz nach der Herberge wandern wir durch eine Alplandschaft, die der Schweiz nicht ähnlicher sein könnte. Wir fühlen uns so richtig heimisch. Ausgangs eines Weilers treffen wir auf einen Bauarbeiter, der gerade neue Holzwegweiser für die Jakobspilger setzt. Ihn werden wir heute noch mehrmals sehen. Danach geht’s auf einem Strässchen steil nach oben und der Aufstieg scheint endlos zu sein. Einfach weitermarschieren und den Schweiss rinnen lassen…… Dabei hat Heiner alles im Griff und er weiss genau, wann wir den höchsten Punkt erreicht haben. Endlich oben angekommen, suchen wir uns einen idealen Platz fürs Picknick. Leider ist es hier oben ziemlich zügig und wenig einladend für eine längere Rast. So gehen wir rasch weiter. Die Auf- und Abstiege sind jetzt etwas moderater, dafür wird’s jetzt so richtig heiss. Von weitem hören wir Kuhglockengeläut, aber es sind keine Kühe sondern Pferde und zwar Stuten mit ihren Fohlen. Eine ganze Herde Stuten mit ihren Fohlen! Dabei folgen die Fohlen ihrer Mutter auf Schritt und Tritt. Ein idyllisches Bild! Wir kommen an einer Pilgerrastätte vorbei, wo wir wieder einige Pilger von gestern und heute sehen. Aber wir gehen weiter und machen später beim Abstieg auf einer morschen Bank eine kurze Pause. Sicherheitshalber ziehe ich hier die Kniebandage an. Wir sind bis jetzt mächtig hoch gegangen, haben aber kaum Höhenmeter bei den Abstiegen verloren. So dürfte noch ein steiler Abstieg vor uns liegen. Tatsächlich müssen wir rund 1 km auf einer steilen Betonpiste hinabsteigen. Danach heisst es wieder Schuhe wechseln und die letzten Kilometer bis zur Unterkunft auf einem lauschig, schattigen Sparzierweg geniessen. Das Hotel in altem „Gemäuer“ liegt rund 2 km weg vom Jakobsweg. Dafür haben wir zwei riesige Betten und eine Hydrodusche!

 

Mittwoch, 8.Juli 2015 - Markina - Gernika (28 km)

 

Was höre ich? Ja, tatsächlich es regnet. Beim Frühstück sehen wir wieder die gleichen Leute wie gestern in der privaten Unterkunft. Sind es wohl auch Jakobswegpilger. Eher Autopilger oder Pilger mit Gepäcktransport angesichts der Tagesrucksäcke. Da der Supermarkt im Dorf noch nicht offen hat, besichtigen wir zuerst die Kirche. Danach geht’s in einem Zug durch das Dorf ……. und hinauf zum Kloster. Als wir einlaufen, ist es gerade 11.00 Uhr und die Kirchenglocken läuten nur für uns….. Die Klosterkirche verfügt über eine schönes Portal. Damit wir hier einen Pilgerstempel erhalten, müssen wir beim Klosterladen klingeln. Dann kommt ein Mönch im „Überhäss“ und macht uns den Pilgerstempel. Da es hier oben kalt und windig ist, gehen wir rasch weiter. Es geht durch einen Wald auf morastigem und glitschigen Weg. Wegen dem schwierigen Wege entscheiden wir uns, auf der Strasse bis Munitibar weiterzugehen. Hier gönnen wir uns eine ausgiebige Kaffeepause, bevor es dann auf dem Camino weitergeht. Heute scheinen wir einfach nicht vorwärts zu kommen! Wir wandern mal auf Forstwegen, mal auf Strassen, mal am Bach, mal auf Morast und sogar mal in einer kleinen Furt. Dabei treffen wir auf 2 Deutsche Frauen mit 4 Kindern vom Kindergartenalter bis zum Teenager. Heute machen wir erst gegen halb drei Mittagspause auf einer Mauer an einem Bach. Danach führt uns der Weg der Strasse entlang wieder einen Hügel hinauf zu einer schönen Waldpassage bei der wir wieder zügiger vorankommen. Wie üblich steil hoch zu einer Kirche und von hier aus ist der Camino gesperrt und wir müssen eine Umleitung auf Teerstrassen nehmen. In einem Ort treffen wir wieder auf Pilger von gestern und sogar auf den „Gitarrenpilger“ von Donostia. Auch auf der Umleitung geht es immer wieder steil hoch und steil runter und das alles auf Teerstrassen. Meine Füsse schmerzen so fest, dass ich die Sandalen anziehen muss und die letzten 10 km in Sandalen gehe. Wir kommen erst gegen 17.00 Uhr in Gernika an und das Self-Check-in funktioniert bei uns nicht. So warten wir bei einem Bier in eine nahegelegenen Bar bis die Reception wieder besetzt ist. Nach einer wohltuenden Dusche und der Fusspflege geht’s auf die Suche nach einer Möglichkeit für ein Abendessen. Nach einer kleinen Tour durch die Stadt landen wir in einem Lokal neben dem Hotel. Wir essen fein und genehmigen uns auch ein kleines Fläschchen Rotwein. Dabei meint unser Tischnachbar, dass dieser Wein zwar teuer sei, aber sehr gesund. Es ist ein etwa 80-jähriger Herr, der anscheinend oberhalb vom Restaurant wohnt und hier öfters isst. Er ist in Gernika aufgewachsen, seine Schwester habe ein Schmuckladen und er sei auch schon einige Male in der Schweiz gewesen. Anscheinend mag er die Schweizer sehr. So geht ein langer Tag zu Ende und wir fallen hundemüde ins Bett.

 


Donnerstag, 9.Juli 2015 - Gernika - Lezama (23 km)

7.30 Uhr Frühstück mit Tostados und Kaffee in einer Bar. Dann marschieren wir gegen 8.00 Uhr los, an der Kathedrale vorbei. Da die Geschäfte noch geschlossen haben, füllen wir unsere Bidons an einem öffentlichen Trinkwasserhahn. Kurz danach setzt Regen ein und wir montieren den Regenschutz. Ausgangs des Städtchens treffen wir sogar auf einen Quartierladen und decken uns hier für den Tag ein. Danach geht es gleich mächtig steil in einem Wald hoch begleitet von herrlichem Vogelgezwitscher. Es regnet immer wieder bei frischen Temperaturen. Da heute viele auf- und abwärts Passagen im Wald auf glitschigem Untergrund angesagt sind, bleiben wir auf der Strasse. So treffen wir auf ein hübsches Dorf in dem wir uns die erste Kaffeepause gönnen, bevor es dann weiter auf einen Pass geht. Dabei begegnen uns viele Velofahrer. Auf der Passhöhe treffen wir dann wieder auf den Camino und ab jetzt geht’s nur noch auf Teer abwärts. In Goiz ist dann Mittagshalt angesagt neben der Kirche in einem rastplatzähnlichen Park mit Bänken und Stühlen. Hier sehen wir wieder weitere Pilger den Jüngling und 2 bayerische, ältere Madels. Dann geht’s weiter bis Lezema. Hier geht’s nochmals kräftig hoch bis zu unserer Unterkunft in einem Agrotursimo. Yvona empfängt uns trotz Mittagszeit und wir beziehen unser Zimmer. Nach einer ausgiebigen Dusche und Wäsche waschen, ist Siesta-Time. Danach geht’s zum Abendessen wieder runter ins Dorft. Yvona gibt uns noch einen Restaurant-Tipp, wo wir ein super feines Pilgermenu erhalten: 3-Gang-Menu inkl. Getränke und Brot für EUR 8.50! Gesättigt und müde steigen wir wieder hoch zu unserem Zimmer. Dabei geniessen wir den herrlichen Sonnenuntergang und die Stimmung.



Freitag, 10.Juli 2015 - Lezama - Bilbao (14 km)

8.00 Uhr Frühstück bei Yvona mit selbstgemachtem Gebäck und schon geht’s los auf die kurze Etappe nach Bilbao. Laut Yvona sollen wir in rund 2.5 Std. dort sein. Ob das mein Knöchel noch schafft?! Er schmerzt himmlisch, doch mit der Zeit gewöhne ich mich an den Schmerz und spüre den Knöchel kaum noch. Ich geniesse die schöne Morgenstimmung, den „steilen Aufstieg“ zum Monte Avril, den Blick aufs Meer und den Vogelgesang im Wald. Wie üblich geht’s nach dem Kulminationspunkt ganz schön steil runter nach Bilbao (wie in einer Steilwand). Das halten meine Füsse kaum noch aus und ich muss in immer kürzeren Abständen eine kleine Pause einlegen. Unten angekommen, muss ich zuerst wieder die Schuhe wechseln bevor ich weiter zu Kathedrale gehen kann. Hier holen wir uns den verdienten Pilgerstempel in der Sakristei. Dann geht’s weiter zum Hotel. Wie sich herausstellt, haben wir in Bilbao ein Super-Hotel gebucht! Wau….. jeder hat sein eigenes Badezimmer und jeder hat ein eigenes Doppelbett. Zudem eine grosse Sitzgruppe mit einem grossen Fernseher, eine Nespressomaschine und eine gefüllte Minibar! Da nutzen wir doch gleich ein Badezimmer als Waschküche! Nach einer ausgiebigen Siesta gehen wir zurück in die Altstadt fürs Abendessen. Vorher kaufe ich mir aber noch neue Schuhe und erst dann geht es auf die Suche nach einem Restaurant mit Chipirones a la plancha. Wieder hundemüde gehen wir zu Bett.



Samstag, 11.Juli 2015 - Bilbao (Ruhetag)
 

Ruhetag und juhui ausschlafen. Gegen 9.00 Uhr geht’s auf die Piste Richtung Jakobsweg stadtauswärts, ohne Rucksack und mit Sandalen!!! Welch eine Wohltat!!! Zuerst gibt’s aber noch Café con Bolleria. Welch ein Zufall beim Sparzieren auf dem Jakobsweg kommen uns die französischen Autopilger entgegen. Der Jakobsweg führt dem Fluss entlang stadtauswärts, zuerst mit schönem Blick auf gepflegte Häuserzeilen, dann wird die Umgebung immer grauer und trister. Auch beginnt es wieder zu nieseln. So kehren wir um und gehen Richtung Stadtmitte. Auf dem Weg dorthin genehmigen wir uns ein Bierchen und treffen auf viele FC Bilbao Fans, die sich für die Fahrt an ein Auswärtsspiel sammeln. Dann geht’s zum Proviant-Einkaufen: Wasser, Äpfel und Guetzli. Dann zurück ins Hotel und nach kurzer Siesta gehen wir wieder in die Altstadt für Pinxtos. Alle Leute scheinen in die gleiche Richtung zu strömen. In der Stadt herrscht viel Betrieb, mit Sänger und Musikanten, eben ein buntes Treiben. Zuerst essen wir in einer Bar Pinxtos, dann trinken wir etwas auf einem Platz etwas und schauen dem Treiben zu. Danach gehen wir auf den Plaza Nueva und genehmigen hier uns unter den Bögen eine iberische Platte. Dabei merke ich, wie mein Beutel mit den Regenjacken vom Stuhl fällt, aber er liegt nicht am Boden als ich ihn aufheben möchte. Da sehe ich einen vorbeigehenden Passanten wie er ihn hält und instinktiv renne ich ihm hinterher. Ich sehe wie er meinen Beutel hinter einem Pfeiler in eine Tasche stecken will und reisse ihm den Beutel aus der Hand. Er lässt sofort los, da kommt auch schon Heiner hinterher mit geballter Faust und der Dieb rennt fluchtartig die Treppe hinunter. Als ich Heiner zurufe, dass alles da ist, lässt er den Dieb ziehen. Auch unser Tischnachbar steht auf einmal neben uns. Als wir an unseren Tisch zurückkommen, sehen wir wie alle Frauen nun ihre Taschen halten. Wir müssen uns zuerst von dem Schock etwas erholen und den Puls runterkommen lassen, bevor wir die iberische Platte und den feinen Wein wieder geniessen können. Danach machen wir eine ausgedehnte Siesta im Hotel und packen den Rucksack mit der frischen Wäsche. Wir gehen dann nur noch kurz raus für ein kleines Abendessen mit Toast. Der Schreck vom Mittag wirkt doch noch etwas nach und hat uns auch die Freude an Bilbao etwas genommen. Zum Glück hat Jakobus gut für uns geschaut und wir können unsere Pilgerreise mit Regenjacken fortsetzen. Ultreia!



Sonntag, 12.Juli 2015 - Bilbao/Portugalete - Onton (20 km)
 

7.00 Uhr Tagwache, ja in der Nacht hat es wieder mal geregnet. Der Himmel ist immer noch schwarz und heute wird es immer mal wieder nieseln. Vor dem Abmarsch nehmen wir noch einen Nespresso im Hotelzimmer und auf geht’s zur nächsten Metrostation. Heute fahren wir mit der Metro aus der Stadt hinaus bis nach Portugalete. Entgegen den gelesenen Berichten befinden wir uns sofort nach dem Aufstieg von der Metrostation in Portugalete wieder auf dem Camino und weiter geht’s. Ultreia! Heute geht’s ohne Desayuno los! Auf einem herrlichen Rad-/Wanderweg marschieren wir bis nach La Arena. Dabei sehen wir schon von weitem das Meer. In La Arena gibt es dann endlich Frühstück, eigentlich wäre es schon fast Mittagszeit, aber in Spanien ticken die Uhren etwas anders….. Nach La Arena geht’s zuerst dem Strand entlang nach Pobena und dann auf einer Treppe durch den Wald hoch auf die Klippe. Ab jetzt geht der Weg hoch über dem Meer auf einem alten Eisenbergwerktrassee bis nach Onton. Heute werden wir den ganzen Tag von den Spanier wieder nett gegrüsst mit Buen Camino. Ein Jogger spricht sogar etwas mit uns und die Verständigung klappt ganz gut auf spanisch. Ein anderer alter Herr mit Zahnlücken erklärt uns einfach so, wo sich das nächste Restaurant befindet, wir müssen wohl ausgehungert aussehen….. Auch treffen wir heute wieder auf die Autopilger. Zwei grüssen uns sogar und die anderen nehmen wie üblich keine Notiz von uns. Kurz vor Onton biegen wir in die entgegengesetzte Richtung zu unserer Pension ab. Es geht rund 2 km aufwärts und weg vom Jakobsweg. Dabei überholt uns ein weisser Mercedes und kommt mit eingeschaltenen Warnblinkern wieder zu uns zurück. Das darin sitzende Paar ist uns heute auf den Eisenbergwerktrassee begegnet. Der Mann warnt uns, dass wir in die falsche Richtung gehen würden und der Camino in die entgegengesetzte Richtung weitergehe. Wir erklären ihm, dass wir auf dem Weg zum Hotel sind und bedanken uns für seine Aufmerksamkeit. Endlich kommen wir beim Hotel an. Gestern "Super" und heute Lastwagenfahrer-Unterkunft, es macht nur den Anschein, da 2 Tankstellen daneben sind und eine Menge LKW’s hier geparkt haben. Wir müssen das Zimmer sofort bezahlen und es wird nur spanisch oder französisch gesprochen. Dank der neuen Schuhe haben heute meine Füsse weniger geschmerzt. Auf den Winter heisst es den Hallux kurieren! Nach Bier und Dusche kurzes Ausruhen, dann ein zweites Bier mit Calamares, da es Abendessen erst um 21.00 Uhr gibt.



Montag, 13.Juli 2015 - Onton -  Castro Urdiales (16 km)
 

Tagwache ist heute um 7.30 Uhr. Vor dem Frühstück treffen wir auf den Besitzer des Hotels und erkundigen uns nach den Gästen mit den Schweizer Autonummern. Beide Autos haben nämlich Schilder vom Kanton St. Gallen, eines sogar von einer Garage in Goldach. Bei diesem Auto soll es sich um eine Familie mit Kindern handeln. Ich erzähle, dass ich in dem Ort aufgewachsen bin und der Hotelbesitzer erzählt, dass er auch in der Schweiz in Genf aufgewachsen ist. Er aber noch im Schulalter mit seinen Eltern nach Spanien ausgewandert ist. Darum spricht man hier französisch. Nach dem Frühstück in der Bar (Kaffee und Vanillegipfel) geht’s dann wieder zurück auf den Jakobsweg. Zuerst rund 2 km der Strasse entlang, danach auf einem kleinen Strässchen wieder den Berg hoch. Dabei hören wir gerne dem Vogelgesang zu und geniessen die ländliche Gegend. Wir sehen sogar Kaninchen und Gänse, die uns mächtig anschreien. Der Weg verläuft auf einem alten Bahntrassee. Mit diesem harmlosen Wegabschnitt ist es bald vorbei und es geht wieder steil bergabwärts zu einem grösseren Dorf und natürlich wieder steil hoch zur Kirche, die geschlossen ist. Dafür genehmigen wir uns einen „Pilger-Johann“ (Cola-Fanta-Gemisch) in der danebenliegenden Bar. Hier treffen wir auf eine Gruppe junger Pilger. Einer trägt sogar dicke Kniebandagen und muss entsprechend Schmerzen haben. Sein Kollege spricht mit mir so schnell spanisch, dass ich kein einziges Wort verstehen kann. Ich biete ihm eine Schmerztablette an, aber anscheinend hat er selber welche. Unser Weg geht nun durch ein schönes Tal. Trotz der heute kurzen Etappe zieht sich der Weg dahin. Das Hotel auf der Anhöhe finden wir rasch. Wir sind früh dran, so duschen wir rasch und machen die Wäsche. Dann geht’s an die Promenade runter, wo wir uns in einem Restaurant mit herrlichem Blick aufs Meer niederlassen. Hier fühlen wir uns wie ganz normale Touris. Danach spazieren wir der Promenade entlang und essen beim Hafen unter den Bögen eine Tortilla bzw. warten bis die Kirche öffnet. Glücklicherweise steigen wir zuerst einen falschen Weg hoch, denn wir werden mit einer super Aussicht aufs Meer und die Kirche belohnt. Dann besichtigen wir die imposante Kirche, können aber leider den Jakobus nicht finden. Danach gehen wir zurück zum Hotel und machen Siesta. Gegen 20.30 Uhr gehen wir zum Apéro und anschliessend zum Abendessen in den 1. Stock hoch. Zunächst sind wir alleine und warten trotzdem sehr lange bis wir bedient werden (von der Receptionistin). Auch hier spart man am Personal…..



Dienstag, 14.Juli 2015 - Castro Urdiales - Liendo (29 km)
 

7.00 Uhr Tagwache, 7.30 Uhr Frühstück, 7.45 Uhr Abmarsch. Zuerst geht’s wieder der Promenade entlang und dann durch die Stadt. Am Stadtrand treffen wir auf die Pilgerherberge wo wir uns einen Stempel holen. Es ist kein Hospitalero dort und so bedienen wir uns selbst mit dem Stempel. In der Herberge hat es viele junge Pilger und es sind sogar einige Zelte im Garten aufgestellt. Diese Herberge muss gut besucht sein. Danach geht der Weg weiter aufwärts an Campingplätzen vorbei und mit schöner Aussicht aufs Meer. Vor Islares gehen wir auf einem besonders lauschigen Weg ob dem Meer. Auch heute sehen wir wieder sehr viele Tiere: Gänse, Katzen, Hunde mit Welpen, Hühner, Hähne, Schafe, Herdenhunde, Eidechsen, Spatzen…. In Islares machen wir einen kurzen Halt in einer Bar und decken uns mit Wasser und Bocadillos ein. Es geht weiter auf einem Teersträsschen und an einem Campingplatz vorbei. Hier winken uns Pilgerinnen, die wir schon in Castro Urdinales gesehen hatten. Danach geht’s hoch zur Hauptstrasse an der wir eine ganze Weile entlang gehen und mit Blicken auf einmalige Strände belohnt werden. Dann entscheiden wir uns für den längeren Weg, dh. wir gehen weg von der Hauptstrasse ins Hinterland. Dafür werden mit einer wunderschönen Landschaft, Stille, Vogelgezwitscher und Eucalyptus-Duft belohnt. Zuerst geht es in ein endlos scheinendes Tal hinein und wir genehmigen uns in Rioseco noch einen „Pilger-Johann“. Was miaut denn da so in der Bar und kommt auf mich zu? Eine Katze, bisher waren die Katzen jeweils sehr scheu und rannten davon. Diese aber will sogar bei Heiner auf den Schoss und bei mir springt sie dann einfach rauf und lässt es sich gut gehen. Als sie wieder runter muss, ist sie beleidigt. Wie sich herausstellt heisst sie Tom und ist die Barkatze. Kurz nach dem Barbesuch geht es mächtig und lange den Berg hoch. Oben angekommen, suchen wir ein schattiges Plätzchen und machen kurz Rast. Füsse lüften und das letzte Pinxto essen. Danach marschieren wir wieder abwärts (gegenüber der letzten Woche geht es hier nur moderat abwärts). Schon von weitem sehen wir Liendo und die Kirche. Heiner meint, wir müssten nicht so weit bis zur Kirche gehen, aber es kommt anders….. Wie sich herausstellt, hat uns das Navi falsch geführt. Nachdem wir in einer Bar gefragt und auch Google Earth konsultiert haben, finden wir schliesslich doch noch den richtigen Weg (sogar weiter als die Kirche!). Endlich erreichen wir das Hotel, welches sich in einem alten Turmgebäude befindet mit eigenem Garten und sehr gediegenem Aufenthaltsraum. Sogar Getränke gibt’s hier und morgen früh können wir etwas ausschlafen, da es erst um 8.30 Uhr Frühstück gibt. Nach der erfrischenden Dusche gehen wir ins Dorf zurück für ein übliches sin y normale. Danach suchen wir vergebens die Pilgerherberge und fragen in jedem am wegliegenden Restaurant, ob es ein cena gibt. Wir rechnen schon damit, dass wir heute auch das Abendessen im Supermarkt einkaufen müssen. Beim dritten Restaurant klappt’s dann. Wir müssen lediglich noch auf den Koch warten und genehmigen uns derweil einen Apéro. Die Menu Auswahl ist verhältnismässig gross und wir haben uns rasch entschieden. Entgegen meinen Befürchtungen ist das Essen ausgezeichnet  wie auch der Weiss- und Rotwein. Das Abendessen, obwohl so einfach, kann als Highligt dieser Woche betrachtet werden. Zum Abschluss gönnen wir uns noch ein galizisches Bier. Am Ende bezahlen wir für alles EUR 25.00. Zurück in der Pension sind wir alleine und geniessen die Räumlichkeiten im EG, machen Selfies, surfen etwas, schreiben Tagebuch und lesen die morgige Etappe. Bevor ich ins Bett gehe, mache ich noch einen Barfusstrip im Garten auf dem weichen Rasen. Buenas Noches, hasta la manana!



Mittwoch, 15.Juli 2015 - Liendo - Noja (21 km)
 

Heute hätte ich noch den ganzen Morgen schlafen können, es war so ruhig und dunkel und temperaturmässig angenehm. Das Frühstücksbuffet für uns ganz alleine: die Präsentation und die Auswahl einfach eine Wucht! Das Highlight der ganzen Ferien! Ich habe so richtig bei den Früchten zugeschlagen: Kirschen, Aprikosen, Melonen, Pflümli ….. Wir dürfen sogar noch etwas vom Buffet mit auf den Weg nehmen. Gestärkt geht es los. Zuerst zur nächsten Pilgerherberge, doch weder einen Hospitalero noch einen Stempel haben wir angetroffen. Danach geht es wieder einmal den Berg hinauf und dieses Mal bleiben wir auf der Strasse, so wie es viele andere Pilger auch tun. Kurz vor Laredo geht’s noch einen Hügel hinauf mit anschliessend herrlichem Blick auf Laredo bevor es dann die Treppe hinunter zum Strand von Laredo geht. Hier werden wir von "La Traviata" mit Placido Domingo empfangen. Noch kurz einen Kaffee bevor es dann dem Strand entlang geht. Heiner geht jetzt schon barfuss dem Strand entlang und ich getraue mich noch nicht wegen späteren möglichen Blasen. Schliesslich liegen heute auch nach Laredo noch einige Kilometer vor uns. Kurz bevor es aufs Schiff nach Santona geht, essen wir in einer Bar ein Eis. Hier sehen wir wieder die 3 Engländerinnen, die wir schon gestern in der Bar in Islares gesehen hatten. Danach begeben wir uns zur Anlagestelle der Barca. Da es keinen Anleger gibt, warten wir einfach an einer für uns richtig scheinenden Stelle. Anscheinend stehen wir doch am falschen Ort, denn zwei ältere spanische Herren machen uns darauf aufmerksam und zeigen uns die richtige Anlegestelle. Und prompt hält hier dann auch das Schiff. Eine Pilgerin aus Bayern stösst zu uns. Wie sie uns erzählt, will sie in 34 Tagen den Camino del Norte bis nach Santiago gehen. Sie hat aber jetzt schon Mühe mit den vielen Wanderabschnitten auf Teerstrassen und ihr tun die Füsse weh. Sie bleibt in Santona und will sich hier eine Übernachtungsmöglichkeit suchen. Wir gehen weiter und kommen zu einem Gefängnis an dessen Mauer wir ein ganz schönes Stück entlang wandern. Bevor es den nächsten Sandhügel hinauf geht, genehmigen wir uns in einer Bar eine Stärkung. Zum Glück, der anschliessende Weg ist kurz, steil, sandig (zwei Schritte vor, einer zurück), felsig und mit Gegenverkehr versehen. Für die Strapazen werden wir mit einer grandiosen Aussicht belohnt, die wir nicht missen möchten. Wir steigen zum Strand ab und jetzt gehe auch ich das letzte Stück barfuss im Sand, welch eine Wohltat! Herrlich, hier am Strand barfuss zu spazieren! Der Weg dem Meer entlang scheint endlos zu sein und doch sind wir auf einmal in Noja angelangt.  Die Pension finden wir rasch und sind doch müde. Trotzdem muss noch die Wäsche gewaschen werden, danach ist ausruhen angesagt. Etwas später gehen wir ins Dorf. Im Touristoffice gibt es sogar einen Pilgerstempel. Hingegen ist die Kirche wie üblich geschlossen. Dann besuchen wir noch einen anderen Strand und stossen dabei immer wieder auf ein altes Ehepaar, das sich auf Parkbänken ausruht. Heiner fragt sich jeweils, ob der Mann noch lebe. Anscheinend schon, sonst hätten sie ja die Parkbank nicht wechseln können. Vermutlich hat der Mann einfach nur geschlafen. Auch wir geniessen den Blick auf den Atlantik und die Meeresbrise auf einer Parkbank. Danach geht’s zum Abendessen. Dieses Mal bestellen wir 3 Raciones: Patatas Ali y Olio, Pulpo Gallego, Insalada mixta. Es war wieder zuviel, aber es hat super gut geschmeckt. So gehen wir gestättigt und für morgen gestärkt zu Bett.



Donnerstag, 16.Juli 2015 - Noja - Güemes (15 km)
 

8.15 Uhr klingelt der Wecker für das Frühstück um 9.00 Uhr. Heute etwas spät, ist halt spanische Frühstückszeit…. Gegen 9.30 Uhr geht’s dann wieder auf den Camino, nachdem wir noch rasch Mineralwasser eingekauft hatten. Heute sehen wir auf dem Weg viele Schnecken. Wir starten bei bewölktem Himmel und bei nieseln. Die Luftfeuchtigkeit ist sehr hoch und wir schwitzen ohne grosse Anstrengung. Heute treffen wir wieder einige Pilger, zuerst 2 Frauen bei einer Znünipause am Wegesrand, dann auf eine humpelnde Alleinpilgerin und in einer Bar ein älteres Ehepaar. Heute spüre ich wieder meine Füsse, v.a. der kleine Zeh schmerzt und am gleichen Fuss auch der grosse Zeh. Wie sich später herausstellt, hat sich der Nagel vom kleinen Zeh schwarz verfärbt…. Kurz vor Guemes geht’s nicht mehr und ich muss die Schuhe wechseln. Wie ich sehe hat sich am grossen Zeh eine Blase gebildet. Zum Glück erst jetzt kurz vor Ende unserer Wanderung. Das Hotelzimmer können wir bereits um 14.00 Uhr beziehen. Vor der Körper- und Wäschepflege gönnen wir uns aber noch einen kleinen Happen. Danach ist Duschen, das letzte Mal Wäsche waschen und Siesta angesagt. Vor dem Abendessen schauen wir nochmal, ob die Kirche offen ist. Aber sie ist und bleibt geschlossen. Beim Abendessen sitzen hinter uns Franzosen, die sich überhaupt keine Mühe geben spanisch zu sprechen. So muss ein Restaurantangestellter her, der französisch sprechen kann! Welch eine Ignoranz! Die Strafe für solche Gedanken folgt sogleich, wie sich herausstellt, habe ich Kutteln bestellt (oh wei meine Spanischkenntnisse, ich habe nur verstanden, dass es etwas hausgemachtes ist und dachte, das ist bestimmt gut). Zum Glück mag ich Kutteln und sie waren auch speziell zubereitet: geräuchert und in einem heissen Pot mit Tomatensauce. Den Reis dazu erhalte ich aber wie bestellt. Das Essen war trotz der Überraschung gut. Für die letzte Etappe gehen wir zeitig zu Bett. Mal schauen, wie das morgen dann mit meiner Blase geht.



Freitag, 17.Juli 2015 - Güemes - Santander (21 km)
 

8.00 Uhr Tagwache nach einer Mücken- und Rumpel-Nacht. Alles zusammenpacken und dann gibt’s in der Bar noch einen Kaffee und ein Bolleria. Schon geht’s weiter auf dem Camino. Zunächst auf einer Nebenstrasse bis Galizano mit letzten Blicken auf das Hinterland und den ersten Blicken auf das Meer. Ab Galizano geht es nur noch der Küste entlang und zwar hoch über dem Meer mit grandioser Aussicht auf die Klippen. Diese Landschaft können wir eine geraume Zeit geniessen und machen auch eine kurze Pause auf einer Klippe mit Blick aufs weite Meer. Nach dem Klippenweg gelangen wir zum Strand von Somo. Hier ziehen wir wieder die Schuhe aus und gehen barfuss dem langen Strand entlang. Bei Sonnenschein und blauem Himmel geniessen wir den Marsch entlang dem Meer. Was wünscht sich das Pilgerherz mehr…. Für uns bedeutet dieser letzte Wegabschnitt der krönende Abschluss unser diesjährigen Pilgerwanderung auf dem Camino del Norte. Nach einer kurzen Pause in einer Strandbar bei einem „Pilger Johann“ geht es weiter zur Fähre, die uns dann nach Santander bringt. In Santander angekommen, steuern wir direkt auf die Kathedrale zu. Wie üblich ist sie geschlossen. So entscheiden wir uns zunächst für ein kleines Mittagessen mit je 2 Pintxos und gehen anschliessend in unsere Pension. Nach der erfrischenden Dusche und der Siesta hat dann auch die Kathedrale geöffnet, wo wir sogar einen Pilgerstempel erhalten. Wir schauen uns die Kathedrale ausgiebig an und entdecken in letzter Minute noch Jakobus in einer Nische und ihm gegenüber das Hühnerwunder von Santo Domingo. Das heutige Abendessen nehmen wir im Centro Gallego von Santander ein. Wir sind die einzigen Gästen und unterhalten uns etwas mit dem Kellner (so wie es halt mit unseren Spanischkenntnissen geht). Beim Rückweg zum Hotel stellen wir fest, dass Fiesta in Santander ist, das dem heiligen Jakobus geweiht ist. Ja, nächsten Samstag ist Jakobitag und das wird in Santander anscheinend während einer Woche gefeiert. Entsprechend herrscht Ramba Zamba in den Gassen und es strömen immer mehr Leute in die Stadt. Es wimmelt nur noch von Menschen…. Leider sind wir zu müde, um auch mitzumachen und verschieben das Feiern auf morgen. Somit kommen diese Nacht wieder einmal die Ohropax zum Einsatz. Buenas noches…



Samstag, 18. Juli 2015 - Santander
 

Trotz Fiesta de Santiago haben wir gut geschlafen und erwachen erst gegen 10 Uhr. Heute gibt’s Frühstück auf der Gasse mit Café und Churros (…endlich…). Dann fahren wir im Sightseeing-Bus durch die Stadt und zum Strand, wo wir aussteigen. Hier gönnen wir uns einen zweiten Café in einer Strandbar und geniessen den weiten Blick auf den Weg der gestrigen Etappe. Mittlerweile ist es schon spät geworden und wir haben Hunger. Dieses Mal gehen wir in den Pizza Hut (ganz typisch spanisch…) und bestellen italienische Spezialitäten (Pizza und Lasagne). Das war doch schwere Kost und machen in einem nahegelegenen Park hoch über dem Meer eine kleine Siesta. Danach geht’s mit dem Bus zurück in die Stadt und ins Hotel. Heiner hat schon den ganzen Tag Schmerzen in der rechten Schulter, weder die Voltaren-Creme noch die Schmerztabletten nützen etwas. Die Schmerzen werden immer stärker und Heiner „tigert“ nur noch im Zimmer umher. So erkundige ich mich an der Reception nach einem Arzt und man empfiehlt mir, direkt ins Spital in den Notfall zu gehen. Die Receptionistin zeigt mir noch den Taxistand und schon fahren wir Richtung Spital. Im Spital melden wir uns am Empfang an, wo wir zuerst den Krankenkassenausweis zeigen und dann noch ein Formular ausfüllen müssen. Danach werden wir angewiesen, vor einer Tür zu warten. Ich warte hier und Heiner setzt sich derweil auf einen Stuhl. Relativ rasch kommen wir an die Reihe, aber an dieser Stelle wird erst das Krankheitsbild aufgenommen und wir müssen anschliessend in einem Wartsaal warten bis wir aufgerufen werden. Hier sitzen bereits rund 20 Personen, wovon rund 10 Personen Patienten sein dürften. Ja, Geduld ist angesagt. Es vergeht eine geraume Zeit bis wir aufgerufen werden zum Arzt im Raum 2. Der Arzt spricht nur spanisch und mit Händen und Füssen und mit meinen Spanischkenntnissen können wir uns doch verständigen. Er untersucht Heiner’s Schulter und meint, dass er röntgen sollte. Heiner stimmt dem zu und so warten wir wieder bis wir zum Röntgen aufgerufen werden. Wir werden zusammen mit einem anderen Patienten zum Röntgen gebracht, auch hier wieder warten. Dann bringt uns die Begleitperson wieder zurück zum Wartsaal, wo wir wieder warten bis wir aufgerufen werden. Wie der Arzt uns zeigt, sieht man nichts auf dem Röntgenbild. So langt er in eine Schublade und nimmt eine Handvoll Schmerzpillen (wie Bonbons) raus. Er erklärt, dass je eine am Morgen, Mittag und Abend zum Essen genommen werden soll. Zusätzlich empfiehlt er eine Spritze (in den Cullo), die dann die Schmerzen lindern soll und Heiner in der Nacht schlafen kann. Heiner willigt der Spritze zu und wir müssen wieder warten bis die Krankenschwester kommt und ihm die Spritze verabreicht. Anscheinend geben hier die Ärzte keine Spritzen. Die Schwester lässt uns sitzen und wir wissen nicht was tun und bleiben im Zimmer bis uns eine andere Schwester zu verstehen gibt, dass wir jetzt nach Hause gehen können (bzw. ins Hotel). So begeben wir uns zum Taxistand für die Rückfahrt in die Stadt und was sehen wir beim Eingang zum Spital: eine Muschelkachel, die in den Boden eingelassen ist. Wenn das nicht ein Zeichen ist….. Auf dem Weg ins Hotel gibt’s für mich noch den letzten Tinto mit Pintxos und für Heiner eine Cana sin. So geht auch unser letzter Abend auf unserer diesjährigen Pilgerreise zu Ende, zwar etwas anders als vorgesehen beim „Santiago Fest“. Buenas Noches und bis zum nächsten Jahr >>.