Via Jacobi

 

Samstag, 26.Juni 2010 - Rorschach bis Tuggen/SZ ( 80 Km / 1425 Hm)

Punkt neun Uhr versammelten wir uns in Rorschach beim Jakobsbrunnen zum Fototermin.

Teilnehmer waren Christine, Heiner, Hans Werner, Gerhard, Edgar, Thomas und Urs. Alle hatten die Absicht, auf dem Jakobsweg von Rorschach nach Genf zu fahren. Thomas, welcher den ganzen Jakobsweg von Davos/GR aus startend in 3 ½ Monaten zu Fuss im Jahre 2005 zurück gelegt hatte, war auf dieser Reise der Fahrer unseres Begleitfahrzeuges. Mit etwa 30 Min. Verspätung fuhren wir los. Erster Halt, das Kloster St.Gallen. Dann ging's zügig weiter nach Herisau, wo uns ‚Lina’ mit einem herzhaften ‚Znüni’ und Dessert erwartete. (Nochmals herzlichen Dank, Lina!!) Danach war Schwellbrunn, die höchstgelegene Gemeinde im Kanton AR, unser Ziel. Der kurze , heftige Aufstieg nach Schwellbrunn sollte uns erstmals aufzeigen, was uns an diesem Tag an Anstiegen noch alles bevorstand. Schnell ging's dann nach St.Peterzell und via Hemberg nach Wattwil. Anschliessend überquerten wir über den sogenannten ‚Laadpass’ (989 m.ü.M.) und kurz darauf erreichten wir unser erstes Etappenziel Tuggen/SZ. Im Rosenbergerhof der Familie Bamert verbrachten wir die erste Nacht.

Sonntag, 27. Juni 2010 - Tuggen/SZ bis Brunnen (65 Km / 1253 Hm)

 

Nach einem stärkenden Bauernfrühstück, starteten wir um halb neun Uhr zu unserer zweiten Etappe, welche uns zuerst zurück nach Uznach, dann dem schönen Strandweg entlang nach Rapperswil, über den ‚Pilgersteg’ und den Seedamm nach Pfäffikon/SZ führte. Weiter ging's Richtung Einsiedeln. Wir erreichten diesen Ort nach einem sehr steilen, langen Anstieg und der Überquerung des ‚Etzelpasses’ (950 m.ü.M). Nicht alle erklommen den ‚Etzelpass’ auf dem Fahrrad sitzend, aber wer sein Fahrrad liebt, der schiebt. Nach einer steilen Abfahrt (20 % Gefälle), welche mit der Querung der ‚Tüfelsbrugg’ endete, führte uns der Weg durch leicht hügeliges Gelände bis zur Klosterkirche Einsiedeln. Nach dem Besuch der Klosterkirche erfolgte eine Stärkung in einem nahegelegenen Restaurant. Bis zum Tagesziel Brunnen, kamen wir auf einer wenig befahrenen Strasse ganz ans Ende des Alpthals. Dort gab's nochmals einen happigen Aufstieg zur ‚Haggenegg’ auf ca. 1425 m.ü.M. Auf der Passhöhe erfolgte ein kurzer Halt, bevor wir die steile, über 1000 Höhenmeter betragende Abfahrt nach Schwyz unter die Räder nahmen. Noch im oberen Drittel dieser Abfahrt erlitt Gerhard am Fahrrad einen ‚Speichenbruch’, was für die restlichen noch zu bewältigenden Kilometer sehr unangenehm war. Müde, aber mit grosser Zufriedenheit über das was wir heute geleistet hatten, kamen wir in Brunnen an, wo wir im Kloster Ingenbohl übernachteten. Ab jetzt stand nur noch eine strenge Etappe vor uns, der ‚Brünigpass’. An diesem Abend musste sich Thomas, Lenker des Begleitfahrzeuges, welcher die ihm zugeteilten Aufgaben zur besten Zufriedenheit unserer Gruppe erledigt hatte, aus beruflichen Gründen von uns verabschieden. Ab dem kommenden Tag mussten seine Aufgaben von Christine, Heiner und Urs abwechslungsweise übernommen werden.

Montag, 28. Juni 2010 - Brunnen bis Brienz/Ebligen (70 Km / 1090 Hm)

Nachdem aus bekannten Gründen der Schreiberling Urs das Begleitfahrzeug übernahm, wird der heutige Tagesbericht von Heiner geschrieben!

Nach dem Frühstück ging's schnell auf die Suche nach einem Fahrradmechaniker um den Speichenbruch von Gerhard's Rad zu reparieren. Wir hatten Glück, dass wir in Seewen fündig wurden. Nach der schnellen Reparatur fuhren wir zügig zur Schifflände Brunnen, wo wir unser Schiff erwarteten das uns nach Beckenried brachte. Dem schönen Wetter und der herrlichen Landschaft wegen, zogen wir es vor nach den zwei happigen Tagen, das Schiff bis nach Beckenried zu benutzen und so den Seelisberg hinter uns zu lassen. Nach den Zwischenhalten in Treib und Gersau verliessen wir die "Rigi" und starteten zur Tagesetappe mit Ziel Brienz. Nach dem etwas flacheren Teilstück bis nach Stans, nahmen wir die ersten Höhenmeter hinauf nach Flüeli-Ranft unter die Räder. Da oben angekommen stärkten wir uns mit "Älplermakronen", stand doch noch der Brünigpass vor uns. Mit neuen Kräften nahmen wir dieses Teilstück in Angriff. In rasanter Fahrt ging's hinunter ins Tal und nach flachen Kilometern erreichten wir den Abzweiger nach Bürglen. Ein Hinweisschild (12% - 2 km) sagte alles was uns bevorstand. Christine fuhr als einzige dieses steile, schattige Strässchen hinauf. Die anderen zogen es vor, die strapazierfähigen Bikeschuhe zu testen. Mit einem herrlichen Blick auf den Lungernsee wurden wir für die harte Arbeit belohnt! Nach diesem wunderbaren Ausblick fuhren wir weiter bis zur Brünigpasshöhe. Dort schaltetenn wir die verdiente Rast ein und genossen den Ausblick auf die Berner Alpen und das Haslital. Nach der wohltuhenden Abfahrt erreichten wir bald unser Etappenziel Brienz/Ebligen, wo wir am schönen Brienzersee unsere Zimmer im Hotel Chalet Hirschen bezogen.

Dienstag, 29. Juni 2010 - Brienz/Ebligen bis Rüeggisberg/BE (70 Km / 890 Hm)
 

Der Start erfolgte wie üblich um halb neun Uhr. Die Reise ging am rechten Ufer des Brienzersees entlang bis zum Bahnhof Interlaken, wo wir uns von Edgar, welcher die Weiterreise abbrach, verabschiedeten. Er zog es vor, mit dem Zug via Lötschberg, Furka, Oberalp, Chur nach Rorschach zu fahren, um hier unsere Heimkehr abzuwarten. Ab jetzt waren wir nur noch zu fünft unterwegs. Trotzdem genossen wir die Weiterfahrt dem rechten Ufer des Thunersees folgend bis nach Thun, mit einem kleinen Kaffeehalt in Malterswil. Nachdem wir Thun durchquert hatten, erreichten wir über einen leichten Anstieg via Amsoldingen das kleine Bauerndorf Wattenwil, wo wir uns mit einem feinen Mittagessen und einem Coup, welcher seinen Namen wirklich verdient hat, für die Weiterfahrt stärkten. Die Weiterreise zum Tagesziel führte anfänglich über leichte, kleineren Hügel hinauf in Richtung Riggisberg. Nach einem letzten, steilen, kurzem Aufstieg (mehr als 20 % Steigung) erreichten wir den höchsten Punkt unserer heutigen Reise, Dorneren, ca. 920 m.ü.M. Auch bei diesem Aufstieg war schieben angesagt!! Oben angekommen, wurden wir mit einer herrlichen Aussicht belohnt. Danach waren nur noch wenige Kilometer zurückzulegen, bis wir in Rüeggisberg, im altehrwürdigen Landgasthof ‚Bären’ unsere Unterkunft erreichten. Ein kurzer, heftiger Regenfall am frühen Abend liess uns dafür in der kommenden Nacht gut schlafen. Heiner und Christine, welche heute ihren 10. Hochzeitstag feierten, spendierten der gut gelaunten Gesellschaft einen feinen Tropfen. Wir möchten uns hiermit bei ihnen nochmals herzlich dafür bedanken und wünschen ihnen weiterhin viel Glück und alles Gute...

Mittwoch, 30. Juni 2010 - Rüeggisberg/BE bis Romont/FR (67 Km /1000 Hm)
 

Im Gegensatz zu den vorangegangenen Tagen kann die heutige Etappe als ‚flach’ bezeichnet werden. Die kleineren Anstiege wurden von allen mühelos überwunden. So kamen wir frohgelaunt in Freiburg an. Nach dem Znünihalt ging's weiter in Richtung Etappenziel Romont. Im Raum Freiburg überquerten wir den Fluss ‚Saane’, was bedeutete, dass wir hier die Sprachgrenze Deutsch – Französisch (auch Röschtigraben genannt) passiert hatten. Heute befuhren wir ausgiebig Feld- und Waldwege, was für alle eine Abwechslung war. Erstmals musste unser Begleitfahrzeug angefordert werden, da Urs seinen Bidon in Freiburg im Restaurant vergessen und somit kein Wasser mehr zur Verfügung hatte. Eine Weiterfahrt ohne genügend Wasser bei sich zu haben, wäre bei dieser Wärme nicht sehr klug gewesen. Bereits gegen 16 Uhr kamen wir in Romont an, wo wir im Hotel zum goldenen Löwen unsere Zimmer beziehen konnten.

Donnerstag, 1. Juli 2010 - Romont/FR bis Gland/VD (84 Km / 900 Hm)
 

Der heutige Abschnitt kann als leicht bezeichnet werden. Kleine Hügel, kleine Anstiege. Was für ein Gefühl, als wir vom Hinterland kommend in Lausanne eintrafen und erstmals den Genfersee zu sehen bekamen. Irgendwie war bereits ein wichtiges Ziel erreicht. Nach dem Mittagessen beim Chinesen und einer kleinen Stadtbesichtigung kamen wir alle zur Überzeugung, dass Lausanne nicht unbedingt unsere Stadt ist. So setzten wir die Reise teils am Ufer des Genfersees und immer wieder ansteigend hinauf zu den kleinen Dörfern am Hang fort, bis wir schlussendlich in Gland eintrafen, wo wir am See in einem gemütlichen Hotel übernachteten.

Freitag, 2. Juli 2010 - Gland/VD bis Genf (44 Km / 130 Hm)
 

Der Tag, an welchem wir unsere letzte Etappe starteten, war angebrochen. Wie gewohnt wurde umhalb neun Uhr gestartet. Natürlich sind es von Gland nach Genf auf dem direkten Weg (ca. 20 km) keine 50 km, aber der Jakobsweg führt eben nicht auf dem kürzesten Weg ans Ziel. Dafür führte er uns immer wieder an wunderschöne Ort mit zum Teil prächtigen Aussichten. Wir durchquerten auf unserer Reise immer wieder kleine, schöne Dörfer, die wir ansonsten wohl nie besucht hätten. Aber auch der Blick auf die schönen Landschaften liess unsere Herzen immer wieder höher schlagen. Wenn Teilabschnitte ab und zu sehr steil und mühsam zu befahren (zu begehen) waren, muss doch gesagt werden, dass die Route von Rorschach bis Genf fast immer über verkehrsarme, teils gar verkehrsfreie Strassen und Wege geführt hat. Christine war es gelungen im Stadtzentrum ein Logis zu finden, die für alle bezahlbar war, was für Genf wahrlich nicht so ohne weiteres gesagt werden kann. Gemeinsam verbrachten und genossen wir unseren letzten Abend.

Samstag, 3. Juli 2010 - Genf bis Rorschach

  

Nicht etwa mit dem Fahrrad, nein mit dem Zug fuhren wir an den Ausgangspunkt unserer Reise zurück. Zuvor verabschiedeten wir Hans Werner in Genf, da er direkt via Basel - Mainz/D an seinen Wohnort fuhr. Christine überführte das Begleitfahrzeug nach Rorschach. Um 13.30 Uhr kamen wir mit dem Zug im Hauptbahnhof Rorschach an. Etwas später trafen wir Edgar wieder. Zusammen fuhren Gerhard und Edgar gleichentags mit dem Auto zurück nach Deutschland. Der erwähnte und beschriebene Jakobsweg verlangte einiges von uns. Wer einen Pilgerweg geht, muss auch bereit sein, Leiden auf sich zu nehmen. Dafür wurden wir belohnt, indem wir wunderschöne Landschaften und Dörfer zu sehen bekamen. Wir sind überzeugt, dass diese Reise zusätzlich auch unsere Körper und Seelen gestärkt hat. Abschliessend möchten wir Danke sagen, dass wir die ganze Reise ohne Unfall absolvieren durften. Auch das Wetter (jeden Tag Sonnenschein) hatte sich von seiner besten Seite gezeigt.Zuletzt wollen wir auch einen herzlichen Dank an Christine und Heiner nicht vergessen. Sie beide haben diese Reise gut vorbereitet und jeden Teilnehmer überaus reichhaltig mit Informationen bedient. Auch auf der Reise selbst waren sie stets dafür besorgt, dass es uns allen gut ging...

Christine, Heiner, herzlichen Dank für alles, was ihr vor und während dieser Reise für die Gruppe getan habt.....

Ich möchte mich den Worten von Urs anschliessen und allen Teilnehmern für die tolle Leistung (480 Km / fast 7000 Hm) und für das kameradschaftliche Zusammensein ganz herzlich gratulieren. Danke !

Heiner