Via Jacobi

Samstag, 10. März 2012 - Von Rorschach nach St. Gallen (15 km)

Der Jakobsbrunnen am Kronenplatz von Rorschach ist der Ausgangspunkt für unsere Wanderung auf dem Jakobsweg nach St. Gallen. Den Jakobsweg-Schildern folgend, gelangen wir in verwinkelter Passage zur Appenzellerstrasse, die schnurstraks stadtauswärts geleitet. Beim Müliberg, am Kreuzungspunkt alter Landstrassen, passieren wir die Autobahnbrücke. Nach kurzem Anstieg erreichen wir das Schloss Sulzberg, das im Volksmund Möttelischloss genannt wird. Entlang dem Schlossweiher mit Rückblick zum Bodensee strebt unser Weg auf die barocke Pfarrkirche von Untereggen zu. Wir passieren die drei Ortsteile Vorderhof, Mittelhof und Hinterhof der Gemeinde Untereggen. Vom Bauernhof Steingruben steigen wir auf Wiesland zur von Legenden umrankten, Martinsbrücke ab. In einer grossen Schlaufe gewinnen wir wieder an Höhe und erreichen bald das St. Galler Neudorf-Quartier. Historische Relikte inmitten neuerer Wohnquartiere sind die alte Häusergruppe "am Weg" und der schöne Hof Tablat. Fern des Stadtlärms geht es dem Hagenbuchwald entlang und auf der idyllischen Passage des Goldbrunnenwegs westwärts. Bei der Linsebühl-Kirche erreichen wir die gleichnamige alte Vorstadt. In diesem Quartier finden wir an der Linsebühlstrasse 61 die Pilgerherberge. Beim Spisertor kommen wir in die Altstadt und es sind nur mehr wenige Schritte bis zum Stiftsbezirk mit der Kathedrale.

Samstag, 31. März 2012 - Von St. Gallen nach Schwellbrunn (17 km)

Ausgangspunkt ist der Hauptbahnhof. Im 19. Jahrhundert bebaute Strassenzüge führen zur St. Leonardskirche und an sehenswerten Jugendstilbrunnen vorbei zur neu renovierten Burg Waldegg. Bald nach dem Burgweiher zieht ein mächtiger Tröckneturm den Blick auf sich. Ebenso eindrucksvoll ist die Kapelle Maria Einsiedeln in Schönenwegen. Wenig später weist die Turmspitze der reformierten Kirche auf das nicht allzuferne Stadtquartier Bruggen mit dem sehenswerten Innenraum der katholischen St.Martins–Kirche. Die tiefer gelegene Kräzernbrücke (1811) mit Ausblick zur Fürstenlandbrücke (1940) überspannt den Sitterfluss. Kurz vor der ehemaligen äbtischen Papiermühle zweigt unsere Route links von der Strasse ab, hoch zum Hof Gübsen. Vorbei am Schlösschen Sturzenegg und entlang des beschaulichen Gübsensees folgen wir der Linie des ehemaligen Saumweges nach Herisau. Über den Kreckelweg und die Kreuzgasse erreichen wir beim Gasthaus Adler den stattlichen Marktflecken Herisau. Die Bachstrasse mit Ausblick zur Kirche endet beim einstigen Pilgerbrunnen. Sehenswert ist die grosse Landkirche von Herisau, deren Innenraum in einzigartiger Weise Spätgotik und Rokoko verbindet. Am Platzende bei der Apotheke zweigt die Schmiedgasse rechts ab. Alte Holzhäuser, darunter das Weisse Rössli als ehemalige Herberge, säumen die ehemalige Ausfallstrasse Richtung Toggenburg. Über die „Alte Steig“ geht’s abwärts ins mit Industrieanlagen bebaute Glatttal. Ab Schlossstrasse gewinnt unser Wanderweg über den Hof Böhl und bald durch Waldungen mit Durchblick zur Villa „Buff“ (1908) schnell an Höhe. Das Bänkli bei der Zentenar–Linde auf dem Nieschberg lädt zur Rast mit schöner Rundsicht ein. Nordwärts haben wir die schöne Dorfzeile von Schwellbrunn vor uns. Ab Nieschberg (917 M.ü.M.) zieht der Weg gemächlich südwärts und macht mit manchem Appenzeller Bauernhaus bekannt. Kurz nach dem Hörnlipass gelangen wir zur Waldstätter Vollhofstatt, von wo nach einem kurzen Aufstieg der Richtung Schwellbrunn führende Höhenweg erreicht wird. Bei schönem Wetter geniessen wir den Ausblick zum Säntis. Nordwärts haben wir die schöne Dorfzeile von Schwellbrunn vor uns.

Freitag, 11. Mai 2012 - Von Schwellbrunn nach Wattwil (18 km)

Ausgangspunkt ist Schwellbrunn-Halden. Nach der Passage des Risiwaldes zieht der Weg beim Weiler Risi hinauf zum Bergrestaurant Sitz (1084 M.ü.M.), dem höchsten Punkt unserer Pilgerroute. Nachdem wir beim Restaurant Landscheide den Kanton Appenzell Ausserrhoden verlassen haben, strebt der Jakobsweg mit Ausblick zum Speer südwestwärts. Entlang des Höhenzugs geht es über Chäseren und Ämisegg zum Hof Berg. Es folgt der Abstieg ins Neckertal zum Propsteigebäude von St.Peterzell. Stattliche Bürgerhäuser wie das Rothus in St.Peterzell zieren das ehemalige Klosterdorf. Nach der Neckerbrücke geht es weiter zum alten Bädli, mit bemalter Schaufassade und schönem Badschild. Auf gut erhaltenem Hohlweg wandern wir nach Hofstetten hinauf. Stattliche Holzhäuser mit reich gestalteten Fassaden prägen den Weiler Hofstetten. Nach der Querung des Schlifentobels erklimmt der Wanderweg über den Hof Niderwil die Anhöhe des Reitenbergs. Bald ist das Gasthaus "Churfirsten" auf 984 m am Übergang zwischen Necker- und Thurtal erreicht. Westwärts entlang einer Kette von Toggenburger Bauernhöfen geht es Richtung Wattwil hinunter. Nach einer Passage durch ein neueres Wohnquartier geleitet die Hemberger-Strasse zur Kubli-Kirche von Wattwil.

Freitag, 17. August 2012 - Von Wattwil nach Tuggen (29 km)

Ausgangspunkt ist Wattwil. Auf direktem Weg oder vorbei an der Burg Iberg geht es zur Schlosswies. Von dort zieht unser Jakobsweg zur Schlossweid, abseits der Strasse und in direkter Linienführung. Mit Ausblick ins Steintal und Rückblick auf Wattwil steigen wir weiter zur Vordern Laad. Hier säumen eine Reihe schöner Toggenburger Häuser unsern weiteren Weg. In sanfterem Anstieg wandern wir weiter zur Heid am Übergang des Laadpasses. Kurz danach verlassen wir die alte Landschaft Toggenburg und gelangen in den St.Gallischen Seebezirk. Nach der Hintern Laad wandern wir entlang einer alten heckengesäumten Wegpassage. Diese führt als Abkürzung zum Naturschutzgebiet Bodenwies. Vorbei am Schiessplatz Cholloch erreichen wir den Sattel von Oberricken. Nach der Passage eines bewaldeten Hohlweges wandern wir dem Kirchdorf Walde zu. Kurz nach dem Dorfausgang wechseln wir auf die heute über Wiesland verlaufende ehemalige Fahrstrasse nach Widen. Ab Höfli bis Allenwinden folgt ein schöner Hanglehnenweg. Dann führt der einstige Passweg hohlwegartig eingeschnitten mit Ausblick auf den obern Zürichsee nach Rüeterswil hinunter. Die dortige Kapelle St.Ursula mit Jakobus–Figur und das Gasthaus laden zur Rast ein. Ab Rüeterswil zieht sich der Weg jenseits der Strasse geradlinig fort. Um die asphaltierte Landstrasse zu meiden, wandern wir in beschaulicher Schlaufe über Bezikon und Eichholz zur Grubenmann–Kirche von St.Gallenkappel, die als barockes Schmuckstück einen Besuch lohnt. Entlang des bewaldeten Aabachtobels erreichen wir die Rickenstrasse und jenseits davon die 1830 erstellte Aabach–Brücke. Nach kurzem Bachübergang sind wir bei der zuvor ins Blickfeld geratenen Jakobskappelle von Neuhaus angelangt. Bald wieder dem Autoverkehr entronnen erreichen wir über das Risifeld die Höfe von Herrenweg und weiter geht es durch das ehemals gefürchtete Geistergebiet des Bürstli zum Goldberg. Dort angelangt, geniessen wir den Ausblick zum Obersee. Durch das Rebgebiet von Lanzenmoos geleitet uns das Goldberg–Strässchen zur St.Jost–Kirche hinunter. Bis zur Schifflände und zum Bahnhof von Schmerikon ist es nicht mehr weit. Weiter geht es dem Seeuferweg ostwärts entlang. Nach Durchquerung der grossen Allmend gelangen wir zum Seitenkanal der Linth. Wir folgen der nach Tuggen führenden Landstrasse. Auf der Höhe eines Gedenkkreuzes zweigt der Weg rechts ab und untertunnelt die nahe Autobahn. Ein Stationenweg geleitet am Rand des Buechbergwaldes zur Linthbordkapelle oder Anneli–Kapelle. Parallel zu einem Entwässerungsgraben zieht der Weg durch das ehemalige Tuggener Ried. Beim alten Gasthaus Löwen ist das Dorfzentrum erreicht. In Tuggen übernachten wir im Rosenbergerhof.

Samstag, 18. August 2012 - Von Tuggen nach Einsiedeln (24 km)

Ausgangspunkt ist der Rosenbergerhof Tuggen. Bald passieren wir die sehenswerte Loreto–Kapelle im Chromen und wandern Siebnen zu. Mitten im Dorf Siebnen, wo einst mehrere Wege zusammentrafen, steht die Kapelle St.Niklaus. Nach Überquerung der Hauptstrasse geht von der Obergasse ein Fusspfad ab, der geradlinig zur spätgotischen St. Jost–Kapelle zielt. Dieses auf das 14. Jahrhundert zurückgehende Gotteshaus gehört zu den reizvollsten Kleinbauwerken am Pilgerweg nach Einsiedeln. Die erneuerten Malereien am Seitenportal zeigen Kardinal Borromäus, St. Jost und Bruder Klaus. Auf Asphaltbelag geht es weiter durch Feldfluren bis zur Brücke über den Spreitenbach. Der baumgesäumte Spreitenbach mit Uferweg geleitet uns an den Dorfrand von Lachen.Auf dem Höhenzug geht es am Restaurant „Johannisburg“ vorbei zum Wegkreuz an der Durchgangsstrasse Altendorf–Vorderberg. Wir suchen jenseits der Chessibachmulde den Anschluss an die Bilstenstrasse. Ihr folgen wir und benützen im Mittelstück eine Abkürzung entlang historischer Wegspuren. Ab dem Weiler Bilsten (698 M.ü.M.) geniessen wir den nachfolgenden flachen Abschnitt und die Rückschau auf den Zürichsee. Ab Schwändi steigt der Weg durch Weidegebiet und baumbestandene Riedzonen gemächlich Richtung Etzelpass an. Auf der Passhöhe laden Gasthaus und Kapelle St.Meinrad zu einer Ruhepause ein. Das 1759 neuerbaute Gasthaus geht als Pilgerhospiz und Säumer–Raststätte auf das 14. Jahrhundert zurück. Eindrücklich ist bei klarem Wetter die Panoramasicht Richtung Süden. Der Abstieg zur historischen Teufelsbrücke überdie Sihl (1794) muss auf Asphalt erlitten werden, während der Gegenanstieg einem bisweilen morastigen Wanderweg folgt. Ab Hinterhorben mit Rückschau zum Etzel kommen wir auf dem ebenen Flursträsschen schnell voran. Das Galgenchappeli am Standort der 1810 abgegangenen Kapelle, wo zum Tod Verurteilte den letzten Segen erhielten, weist auf das frühere Einsiedler Hochgericht hin. Mit Ausblick auf den Sihlsee zieht unser Weg in südlicher Richtung fort. Die Mariensäule auf dem Horgenberg weist auf die Patronin des nahen Klosters Einsiedeln hin. Über die alte Etzelstrasse gelangen wir zu den dorfnahen Wohnsiedlungen und passieren bereits mit Blick auf die grosse Klosteranlage die St.Gangulf–Kapelle. In Einsiedeln übernachten wir im Hotel Sonne.

Sonntag, 19. August 2012 - Von Einsiedeln nach Schwyz (20 km)

Ausgangspunkt ist Einsiedeln. Der ausgeschilderte Jakobsweg geht entlang dem Flüsschen Alp weiter Richtung Trachslauer Moos. Der Trachslauer Weiher, ein idyllisch gelegenes Wasser und in südlicher Richtung steht eine alte Pilger–Schutzhütte. Wir durchqueren Trachslau und biegen vor der Kirche Trachslau nach rechts ab. Der heutige Wegverlauf entspricht nicht mehr dem ursprünglichen Pilgerweg. Auf dem Weg nach Alpthal kommen wir an alten Schwyzer Häusern vorbei Hinter Alpthal beginnt der Aufstieg auf die Haggenegg. Der Weg durch den Langwald überwindet auf Spuren alter Bepflasterung rund 300 Meter Höhendifferenz. Bis zum Bergrestaurant „Haggenegg“, vor uns immer die beiden Gipfel der kleinen und grossen Mythen vor Augen, steigt der Jakobsweg weniger stark an. Die Haggenegg ist mit 1414 M.ü.M. der höchste Übergang des Jakobsweges auf Schweizer Gebiet. Der Blick hinunter auf den Lauerzer– und Vierwaldstättersee sowie das Bergpanorama bis zu den Glarner Dreitausendern sind grossartig. Der Jakobsweg verläuft östlich des Bergrestaurants als steiler Abstieg in einer Rinne, dann geht er in ein unbefestigtes Strässchen über. Nach dem zum Teil sehr dichten Höchwald kommen wir zum Weiler Ried.  Weiter führt Der Jakobsweg am Kollegium Schwyz vorbei. In Schwyz befinden sich kulturhistorisch bedeutende Bauten, wie die Barockkirche St. Martin (1774), das Bundesbriefarchiv, das Forum der Schweizer Geschichte, das Rathaus sowie verschiedene Herrenhäuser.

Samstag, 12. Juli 2014 - Von Schwyz nach Stans (17 km)

Um 6.05 Uhr fahren wir mit dem Bus von Widnau nach Heerbrugg, wo wir in den Zug einsteigen, der uns nach Seewen bringt. Hier nehmen wir den Bus bis zu unserem Startort in Schwyz. Zu Hause konnten wir bei trockenem, warmen Wetter starten. Im Verlaufe der Zugfahrt hat Regen eingesetzt und in Schwyz regnet es immer noch. So entscheiden wir uns zunächst für ein zweites Frühstück im Café Haug mit Kaffee und Gipfeli. Trotz leichtem Nieseln starten wir unsere Wanderung und mit der Zeit regnet es so stark, dass wir unsere Ponchos überziehen müssen. Über Wiesenwege gelangen wir zur Zahnwehkapelle und weiters zu den Schwestern vom Kloster Ingenbohl. Hier machen wir einen kleinen Zwischenhalt für den obligaten Pilgerstempel und werden von der Schwester Hildegard zu einem Kaffee eingeladen. Wir hätten noch lange mit Schwester Hildergard plaudern können, müssen aber leider weiter, um unser Schiff in Brunnen rechtzeitig zu erreichen. Pünktlich legt das Schiff um 11.49 Uhr in Brunnen ab und wir geniessen die Überfahrt nach Beckenried bei mittlerweile trockenem Wetter mit angenehmen Temperaturen. Nach der Ankunft holen wir uns den Pilgerstempel in der Kirche. Da gerade eine Hochzeitsfeier im Gange ist, müssen wir sehr leise sein. Da wir schon in diesem Frühjahr von Beckenried nach Stans gelaufen sind, fahren wir mit dem Bus bis Buochs. Hier nehmen wir den neuen Wegabschnitt unter die Füsse. Zuerst geht’s nochmals zur Loretto-Kapelle (weil sie so schön ist) und machen hier unseren Mittagshalt. Danach geht’s weiter auf der Originalroute über den Waltensberg zu einer kleinen Kapelle, die der Hl. Anna geweiht ist. Sie soll die Tiere vor einer Seuche bewahrt haben und  Papst Pius X  soll allen Gläubigen, die an der Feier der Hl. Anna teilgenommen haben, den Ablass der Sünden auf ewig erteilt haben….. Wir wandern weiter und machen in Oberdorf einen kurzen Abstecher zu Martin. Obwohl er gerade Besuch von seiner Enkelin mit Familie hat, lädt er uns freundlicherweise zu einem Bier ein. Wir plaudern über unsere gemeinsame Pilgerreise und haben’s lustig in der Familienrunde. Die Zeit vergeht im nu und wir verabschieden uns, um auch noch bei Egloff’s einen Besuch abzustatten. Leider treffen wir hier niemanden zu Hause an. So gehen wir weiter zu unserer Privatunterkunft in Stans, wo wir freundlich empfangen werden. Wir haben eine ganze Etage zu unserer Verfügung (Doppelzimmer, Lesegalerie und Badezimmer). Auf Empfehlung der Gastfamilie gehen wir zum Abendessen in eine Pizzeria.

Sonntag, 13. Juli 2014 - Von Stans nach Sachseln (23 km)

Es hat die ganze Nacht über geregnet und wir starten nach einem reichhaltigen Frühstück unsere Wanderung … im Regen… Zunächst geht es in Stans auf einer Teerstrasse steil den Hang hoch und es regnet immer heftiger. Danach wandern wir durch Wiesen, die vom Regen durchtränkt sind. Zum Glück tragen wir GoreTex-Schuhe und einen Regenponcho. Leider sind die Berge mit Wolken und Nebel verhangen, so dass wir kaum etwas vom Pilatus und der wunderschönen Gegend sehen. Endlich nach rund 10 km lässt der Regen nach und wir können auf einer Anhöhe mit Blick auf Kerns eine Rast einlegen. Ein junges Pilgerpärchen, welches wir bereits gestern im Café Haug gesehen hatten, zieht an uns vorbei und wir wechseln kurz einige Worte. Auf der Anhöhe essen wir eine Kleinigkeit, ziehen trockene Socken an und reservieren die heutige wie auch die morgige Übernachtung. Wie sich herausstellt, haben in der Herberge von Brienzwiler Doris und Edi Dienst (ein uns bereits bekanntes Paar). So freuen wir uns auf das morgige Wiedersehen. Nun geht’s aber zunächst weiter Richtung Flüeli-Ranft. Nach wenigen Minuten taucht vor unseren Augen bei einem Bauernhof ein Pilgerstübli auf. Das Stübli ist genial ausgestattet mit Kaffee, Tee, gekühlten Getränken, Snacks und sogar Glace! Wir lassen uns für einen Moment nieder und genehmigen uns einen Kaffee. Dies bietet uns auch gerade Gelegenheit, mit dem jungen Pärchen einige Worte mehr zu tauschen. Sie sind letzte Woche in Rorschach gestartet und hatten praktisch nur Regen auf ihrem Weg. Ihr Zielort ist ihr Wohnort in Thun. Wir wünschen Ihnen für die kommenden Tage Sonnenschein! Wir wandern weiter bis Flüeli-Ranft wo wir die untere Kapelle, die Einsiedelei, das Geburts- und Wohnhaus von Niklaus von der Flüe besuchen. Da es inzwischen schon wieder regnet und es bereits halbdrei ist, kehren wir in einem Restaurant ein und essen etwas Kleines. Danach geht’s ohne Halt bis Sachseln ins Gasthaus Engel. Hier hängen wir zunächst all unsere nassen Sachen im Zimmer auf, nehmen eine erfrischende Dusche und gehen danach zum Apéro auf die Terrasse. Das Halbpensionsmenue (Dreigänger) geniessen wir dann in der urigen Gaststube. Heute ist bereits um acht Uhr Nachtruhe angesagt. Geht’s wohl die nächsten Tage so weiter?

Montag, 14. Juli 2014 - Von Sachseln nach Brienzwiler (25 km)

Wir entscheiden uns, dem Seeweg entlang nach Giswil zu wandern. Auf dem Weg dorthin treffen wir auf Katzen, jegliche Arten von Schnecken wie auch auf ganz schnelle Jogger. Der See ist so hoch, dass die Sitzbänke unter Wasser stehen. In Giswil angekommen, geht's auf dem Wanderweg 4 weiter über Wiesen und dann steil hoch in den Wald. Zu unserer Verwunderung nicht auf der uns vom Bike her bekannten Teerstrasse, die wir auf der gegenüberliegenden Seite vom Wanderweg immer wieder sehen. Auf diesem Wegabschnitt sehen wir gleich 2 x 2 Pilgerinnen. Kurz vor Lungern machen wir einen kurzen Mittagshalt und verpflegen uns noch mit von daheim Mitgebrachtem. Nach der Pflege der Blase an meinem Zeh, geht’s dann weiter Richtung Brünigpass. Es geht hoch durch den Wald. Bei einer kleinen Felsnische treffen wir auf eine Pilgerstation mit Pilgerbuch, die liebevoll gestaltet ist. Wir gehen weiter und meinen, praktisch auf der Passhöhe angekommen zu sein. Da der Weg nochmals ins Tal hinunter geht, überlegen wir uns der Passstrasse entlang zu gehen. Dies erweist sich als zu gefährlich und wir „beissen in den sauren Apfel“ und nehmen den steilen Abstieg und den anschliesssenden Aufstieg zur Passhöhe in Angriff. Hier genehmigen wir uns in einem Restaurant eine kühle Erfrischung. Dabei sehen wir einen Bus von Koch Reisen und winken mal kräftig. Vielleicht sitzt ja Johnny, unser Chauffeur von der Pilgerreise mit Pius am Steuer. Tatsächlich ist es Johnny und er winkt uns zurück. Was für ein Zufall! Es geht weiter zu unserem heutigen Ziel Pilgerherberge Brienzwiler. Zuerst geht es der Passtrasse entlang etwas den Brünig hinunter, anschliessend über eine wunderschöne Alp wieder hinauf und danach nur noch steil im Wald auf nassem Geröll hinunter bis nach Brienzwiler. In der Herberge werden wir von Doris und Edi herzlich empfangen. Wir buchen gleich das ganze Programm (Abendessen, Frühstück, Waschmaschine). Während wir auf das Eintreffen eines weiteren Pilgerpaars warten, unterhalten wir uns gemütlich mit Doris und Edi. Dabei bereitet Doris bereits das Abendessen in der kleinen Küche vor und was sie uns dabei auf den Tisch zaubert ist unglaublich: Gruss aus der Küche, Salat, Ostschweizer Menu (echte St. Galler Olmabratwurst) und einen Dessert mit unschlagbarer Sahne in der unschlagbaren Pilgerherberge!!! Auch das Pilgerpaar, Gottfried und Silvia, aus Österreich geniesst das Menu und wir unterhalten uns angeregt in der gemütlichen Runde. Die Zeit vergeht im Nu und es ist schon bald Schlafenszeit. Wir sind beeindruckt von der Herzlichkeit der Hospitaleros und der Sauberkeit dieser Herberge!

Dienstag, 15. Juli 2014 - Von  Brienzwiler nach Interlaken (28 km)

Am Morgen geht’s gleich weiter wie es am Abend aufgehört hat. Es steht ein beachtliches Frühstücks-Buffet für uns bereit. Wohlgenährt wandern wir gemeinsam mit Doris, Silvia, Edi und Gottfried durch den Ballenberg bis Hofstetten. Hier verabschieden wir uns von den anderen Paaren und wandern alleine weiter Richtung Interlaken. Es ist ein herrlicher Tag und es sieht so aus  als ob es heute für einmal nicht regnen würde. Bis nach Brienz wandern wir über Wiesen und dann dem See entlang. Es ist bereits ziemlich heiss geworden und wir kehren in Brienz das erste Mal ein, wo wir auch die heute Verpflegung einkaufen. Danach geht’s es weiter Richtung Hängebrücke oberhalb Oberrieden. Natürlich vom See weg den Hang hinauf. Der steile Anstieg belohnt mit einer schönen Aussicht über den Brienzersee. Bei der Brücke machen wir unseren Mittagshalt und geniessen den Blick auf die Berner Berge. Danach geht’s wieder hinunter zum See. In etwa so verläuft die heutige Wanderung: immer wieder zum See hinunter und vom Seeweg hinauf. Am Schluss kurz vor Interlaken führt der Weg der Aare entlang bis wir in unserer heutigen Unterkunft im Alpenlodge Hotel sind. Hier erwartet uns ein Zimmer mit Blick auf den Hinterhof und mit einem „Brünneli aus dem letzten Jahrhundert“. Die Duschen/WC befinden sich auf der Etage und da sie gerade frei sind, nützen wir die Gelegenheit. Nach der Fusspflege wird die Pflege des leiblichen Wohls nötig. Zunächst füllen wir unseren „Wassertank“ wieder auf bevor wir uns bei einem Italiener feine Pasta nach Mutter’s Rezept gönnen. Anschliessend ist Bettruhe angesagt!

Mittwoch, 16. Juli 2014 - Von Interlaken nach Thun (27 km)

Angesichts der bereits warmen Temperaturen können wir heute Morgen unser Frühstück auf der Dachterrasse des Hotels einnehmen. Wie sich herausstellt sind wir praktisch die einzigen Europäer in diesem Hotel! So geht es dann auch relativ rasch weiter Richtung Thun. Zunächst wandern wir der Aare entlang durch ein Naturschutzgebiet und treffen hier wieder auf Silvia und Gottfried. Sie hatten in der Jugendherberge in Interlaken übernachtet. Gestern sind sie in Brienz mit dem Schiff auf die andere Uferseite gefahren und hier nach Interlaken gewandert. Anscheinend ging es auch auf diesem Weg immer wieder den Hang hoch und dann wieder hinunter zum See. Eine zeitlang wanderten wir gemeinsam bis sie sich für ein kühlendes Bad im Thunersee entschieden. Wir gingen weiter zu den Beatushöhlen hinauf wo wir bei einer Erfrischung die Aussicht auf den See geniessen. Silvia und Gottfried treffen derweil auch ein. Auf dem Weiterweg geht es immer wieder steil zum See hinunter und ins nächste Dorf hoch.

Dabei wird es immer heisser und wir immer müder, dazu beginnen die Füsse wieder zu schmerzen. In Gunten entscheiden wir uns dem See entlang zu gehen, was sich auch als mühsam heraustellt. Nach ein kurzen Pause im Hafenrestaurant in Oberhofen kommen wir zum Schluss, dass wir nun das nächste Schiff nach Thun nehmen. Dort erkundigen wir uns zuerst beim Touristoffice nach einer Übernachtungsmöglichkeit. Es sind aber nur noch Zimmer ab CHF 250.--/Nacht frei. So konsultieren wir die Jakobsweg-Übernachtungsliste und siehe da, schon beim ersten Anruf können wir ein Zimmer zu einem angemessenen Preis reservieren. Wir müssen zwar noch min. ½ Stunde Richtung Gwatt laufen, dafür in ruhiger Lage und wir können morgen gleich auf dem Weg weiter gehen. Wir besichtigen noch die Kirche Scherzligen und wandern dem See entlang zu unserem Zimmer. Wir werden von der „Schlummermutter“ freundlich empfangen und erhalten ein herrlich grosses und kühles Zimmer. Zudem gibt sie uns noch Tickets für den Bus und wir fahren nach der erfrischenden Dusche wieder nach Thun. Da die Füsse schmerzen, machen wir nur eine kleine Stadtbesichtigung und gönnen uns anschliessend eine typische Bernerrösti. Am Bahnhofkiosk gibt’s dann noch einen Dessert bevor wir zum Zimmer zurückfahren.

Donnerstag, 17. Juli 2014 - Von Thun nach Riggisberg (29 km)

Es ist bereits schon am Morgen warm und wir geniessen unser Frühstück auf den Balkon. Dann machen wir uns auf Richtung Burgistein, wo wir heute übernachten möchten. Wir wandern zunächst dem Seeufer entlang mit Blick auf Eiger, Mönch und Jungfrau, welche uns den ganzen Tag begleiten werden. Wie gewohnt geht es immer wieder bergauf und bergab, manchmal steiler und manchmal auch weniger steil. Schon vor Amsoldingen spüre ich meine Blase am Zeh sowie die neue am Fersen. Da es bereits ziemlich heiss geworden ist, machen wir unseren ersten Trinkhalt bzw. unsere Znünipause in  Amsoldingen. Anschliessend besichtigen wir die historische Kirche ausgiebig. Es gibt hier sogar einen Pilgerstempel. Nun geht es weiter durch Militärgelände nach Liebeschen dem See entlang. In Üebeschen geht es wieder Steil hoch und an einem Hof mit Bisonzucht vorbei. Eine kurze Trinkpause ist wieder fällig wie auch das Einsprayen mit Antibrumm! Überall diese Bremsen….., die uns während den nächsten Tagen begleiten werden und teilweise nicht vor dem Antibrumm zurückschrecken. Nach einem happigen Aufstieg erreichen wir schon früh Burgistein und beschliessen, weiter bis nach Riggisberg zu gehen.Doch zuvor wollen wir uns eine Übernachtungsmöglichkeit sichern und telefonieren alle Namen auf der Liste durch. Endlich auf einem Bauernhof hat es noch zwei freie Betten. So marschieren wir weiter. Meine Blase am Zeh schmerzt so, dass ich kaum noch gehen kann. So wechsle ich die Schuhe und gehe mit den Sandalen weiter, was überraschenderweise ganz gut geht. In Riggisberg machen wir zum Glück noch einmal eine Trinkpause und kaufen uns im Dorfladen gekühlte Getränke. Mittlerweile ist es sehr heiss und wie sich später herausstellt, müssen wir noch rund 3 km aus dem Dorf hinauslaufen bis zum Bauernhof. So hätten wir heute schon bis nach Rüeggisberg hinauf gekonnt. Nach rund 30 km kommen wir erledigt und mit schmerzenden Füssen an. Da wir niemanden auf dem Hof antreffen, machen wir es uns mal auf der Veranda gemütlich (Schuhe ausziehen, auf die Bank liegen, Füsse in Höh). Nach kurzer Zeit erscheint der Bauer und erklärrt uns, dass wir schon mal duschen können. Das Zimmer müsse seine Frau noch herrichten. Bis dahin könnten wir den Barfussweg geniessen. Der war für unsere Füsse richtige Erholung. Inzwischen ist auch die Bauersfrau eingetroffen und sie will uns eine Rösti mit Spiegelei zum Abendessen kochen. Es ist immer noch sehr warm und wir nehmen das Abendbrot auf der Veranda ein. Dazu gibt es feinen Blüemlitee. Nach dieser langen Wanderung und dem heissen Tag gehen wir wieder früh zu Bett.

Freitag, 18. Juli 2014 - Von Riggisberg nach Heitenried (20 km)

Da wir heute eine kleinere Strecke vor uns haben, frühstücken wir etwas später. Die Bäuerin serviert uns auf der Veranda ein herrliches Mahl mit selbstgemachtem Himbeerjoghurt, Käse usw. Zum Abschied erhalten wir ein Blüemliguetzli, das uns auf der Wanderung stärken soll. Die Bäuerin zeigt uns einen direkten Weg nach Rüeggisberg. Dabei kommen wir am Gasthaus Bären vorbei in dem wir auf unserer Biketour übernachtet hatten. Auch besichtigen wir die Klosterruine und geniessen den Blick auf Eiger, Mönch und Jungfrau, welche uns auch heute begleiten werden. Danach geht unser Weg weiter Richtung Schwarzenberg und wir durchwandern „Meseta ähnliches“ Gebiet: weite, offene Landschaft. Wir haben sogar Blick auf die Jurakette. Es wird immer heisser und unsere Bidons leeren sich. In Schönentannen (kurz vor Schwarzenburg) genehmigen wir uns im Restaurant kühle, frische Getränke. Danach können wir leider nicht auf dem Originalweg weiterwandern, da ein Bauer vor einem Stier auf der Weide warnt. Wie sich später in der Herberge herausstellt, will der Bauer nur nicht, dass die Wanderer über seine Wiesen gehen. So marschieren wir auf der Alternativroute, welche auch sehr schön ist, weiter nach Schwarzenburg. Hier treffen wir auf den ominösen Postomaten bei dem unser Schwager auf der Biketour Geld beziehen musste. Es ist bereits Mittag und es liegen nur noch einige Kilometer  bis nach Heitenried vor uns. So machen wir im Coop-Restaurant eine länger Mittagspause und verpflegen uns gehörig. Gestärkt geht es weiter nach Heitenried und zwar wieder heftig bergab und bergauf. Dazu noch die Hitze. Endlich kommen wir bei der Herberge an. Sofort Schuhe ausziehen und sich mit kaltem Wasser am Brunnen bedienen. Wir warten bis die Herberge öffnet. Doch die Herbergsmutter, Frieda, kommt bereits früher und so können wir unsere Schlafplätze beziehen, duschen und die Wäsche mit der Maschine waschen. Zum Glück ist es heute so heiss, dass die Wäsche rasch trocknet, denn Heiner hat alle T-Shirts aufgebraucht und wartet im Schlafsaal bis eines trocken ist. Bis dahin tausche ich mich mit Frieda über die Herberge und die damit verbundenen Arbeiten aus. Die Herberge Heitenried wird von ihr und ihrem Mann privat betrieben.  Anschliessend besichtigen Heiner und ich die sehenswerte Kirche von Heitenried. Ich steige kurz zum Schloss hinauf und geniesse nochmal einen Blick auf die freien Eiger, Mönch und Jungfrau. Als wir in die Herberge zurückkommen, ist auch die Familie mit den 4 Kindern eingetroffen. So ist Ramba Zamba bis kurz von 10 Uhr angesagt. Später treffen noch 3 weitere Pilger ein: Werner und Regina aus Deutschland sowie Michael aus Brunnen. Michael läuft 50 km am Tag und fährt morgen von Fribourg wieder Heim. Regina und Werner gehen rund 30 km am Tag und wollen am Montag in Lausanne eintreffen. Zum Abendessen gesellt sich noch Bernhard zu uns, der krankheitshalber ein Hotelzimmer bezogen hat. Er wird gleich von den Kindern als „Märlitante“ in Beschlag genommen. Die Erwachsenen plaudern angeregt bis zur Nachtruhe. Diese Nacht nehme ich sicherheitshalber die Ohropax. Zwar habe ich nichts gehört, aber wegen dem geschlossenen Fenster schlecht geschlafen.

Samstag, 19. Juli 2014 - Von Heitenried nach Hauterive (26 km)

Heute Morgen benötigen wir keinen Wecker. Die anderen Pilger sind schon früh wach und ab 7 Uhr gibt’s Frühstück. Die Kinder sind auch schon voll auf Zack! Das Frühstück ist sehr reichhaltig und so verabschieden wir uns gestärkt gegen 8 Uhr, nachdem uns Klaus noch einige Übernachtungstips mit auf den Weg gegeben hat. In St. Antoni stossen bereits Regina, Werner und Michael zu uns. Wir treffen sie noch einmal in Tafers und danach überholen sie uns endgültig. In Tafers genehmigen wir uns eine Znünipause und reservieren die Übernachtung im Kloster. Da wir Schlafsack usw. bei uns haben, wird uns noch Unterschlupf gewährt. Der Bruder mahnt uns zur Eile: „die Hintern nach vorne nehmen und die Vordern nach hinten“. Wir müssten unbedingt vor 17.00 Uhr eintreffen! Der weitere Weg ist praktisch identisch mit dem Bikeweg und uns bereits bekannt. Besonders die Stelle bei der Hanswerner sich Sorgen machte wegen seiner dünnen Räder. In Fribourg holen wir uns zunächst einen Pilgerstempel in der Kathedrale bevor wir uns am Markt mit Baguette und Pferdetrockenwurst eindecken. Auf einer Bank am Marktplatz machen wir es uns gemütlich und essen das Eingekaufte. Anschliessend marschieren wir bei sehr grosser Hitze durch das nicht endend wollende Fribourg. Wir schwitzen mächtig und haben Durst. Bevor es endgültig aus der Stadt in den Wald geht, sehen wir ein Coop Center. Nichts wie hin und die aufgebrauchten Reserven wieder mit gekühlten Getränken füllen und noch einmal. Frisch und mit gelöschtem Durst geht es weiter Richtung Kloster. Der Weg zieht sich dahin, es ist heiss und die Füsse schmerzen, hoffentlich gibt es nicht noch mehr Blasen. Endlich der Abzweiger zum Kloster nur noch 30 Minuten. Wir meinen das Kloster bereits zu sehen, aber es ist nur eine landw. Schule. Zudem ist der Originalweg gesperrt und so nehmen wir die Strasse. Heiner bereut es, dass wir nicht in Posieux übernachten, da wir nun einen Umweg laufen. Ja nu, Klostererfahrung ist auch was. Endlich sind wir beim Kloster angekommen, noch durch ein grosses Tor und die Treppe hinunter zum Hauptgebäude. Wir melden uns beim Empfang und der Bruder weist uns ein Häuschen für die Nacht zu, gibt uns den "Stundenplan" ab und muss immer wieder zurück ins Büro, weil er immer wieder etwas vergessen oder uns einen falschen Zettel gebracht hat. Kurz bevor wir abmarschieren, fällt ihm noch ein, dass er uns den Speisesaal für’s Abendessen zeigen muss. Endlich können wir abmarschieren und gehen wieder zurück zum Tor die Treppe hinauf. Nach etwas suchen finden wir unser Häuschen, das sogar mit Küche und eigenem Bad ausgestattet ist. Nach der erfrischenden Dusche gehen wir zur Vesper und anschliessend warten wir im Park bis es Abendessen gibt, welches ein besonderes Erlebnis wird. Anscheinend essen wir mit anderen Gästen, es wird nicht gesprochen, jeder erhält eine Stoffserviette, die er in einem mit seinem Namen angeschriebenen Pochettli versorgt (für den nächsten Tag). Dann wird das Essen auf einem Rolli herangeschoben, die Gäste verteilen die Platten auf dem Tisch. Es gibt eine grosse Schüssel Salat und ein Topf voll Spaghetti als Pesto, dazu Brot. Dann ertönen über einen Lautsprecher mystische Weisheiten, die von einem Bruder vorgelesen werden. Bei einer Passage muss er sogar lachen. Am Tisch wird nicht gesprochen, nur gedeutet. Die anderen hetzen mit dem Essen und verschlingen es. Wie sich heraussstellt, ist die Essenzeit limitiert und es wird deshalb so geschlungen. Heute gehen wir früh ins Bett.

Sonntag, 20. Juli 2014 - Von Hauterive nach Romont (25 km)

Kurz vor 7.15 Uhr sind wir beim Speisesaal und die anderen Gäste sind auch bereit. Es wird wieder im Eilzugstempo gegessen. Kurz vor 8.00 Uhr verlassen wir das Kloster. Den Schlüssel hängen wir an die Türfalle des Empfangs, da noch niemand da ist. Schon während dem Frühstück hat es draussen gedonnert und der Himmel war mächtig schwarz. Als wir losgehen, grollt es immer noch am Himmel und in Posieux entleeren sich dann die Wolken. Es schüttet wie aus Kübeln, so dass wir kurz unter einem Dachvorsprung warten müssen, bis es wieder aufhört. Weiter geht’s Richtung Autigny. Inzwischen hat es wieder begonnen zu regnen und wir ziehen unsere Poncho’s an. Gleich darauf erreichen wir eine Auberge bei der wir einen kurzen Kaffeehalt einlegen. Wie wir aus dem Gespräch mit dem Wirt erfahren, mussten gestern Werner und Regina auch hier eingekehrt sein. In Autigny ist gerade Sonntags-Gottesdienst aus und die Leute versammeln sich vor der Kirche. Zuerst werden wir von einem Paar angesprochen, das für die Wegführung in dieser Region zuständig ist und auch selbst schon auf dem Weg war. Dann von einer älteren Dame, die im Ort wohnt und täglich Pilger an ihrem Haus vorbeiwandern sieht. Nach der Besichtigung der Kirche und dem obligaten Pilgerstempel gehen wir weiter. Es regnet nicht mehr und so packen wir unsere Ponchos wieder ein. Wir sind schon wieder eine Weile unterwegs und haben Hunger, aber weit und breit kein Restaurant in Sicht. So entschliessen wir uns auf einer Bank neben einer Kapelle eine Mittagsrast einzulegen. Wie heute so üblich beginnt es wieder zu regnen und da ja weit und breit kein Restaurant in Sicht ist, setzen wir uns in die Kapelle. Hier essen wir noch unsere Resten, dh. etwas Brot von gestern und Guetzli. Zum Glück haben wir noch genügend Wasser in den Bidons. Danach marschieren wir gestärkt im Regen weiter nach Romont. Von nun an gehen wir nur noch auf Teerstrassen und die Füsse werden entsprechend beansprucht. Endlich treffen wir in Romont ein, wo wir zuerst ein Restaurant ansteuern. Wie sich später herausstellt, muss es das einzige Restaurant sein, das heute am Sonntag in der Altstadt von Romont offen hat. Nach der Nacht im Kloster freuen wir uns heute auf das Hotelzimmer. Wir geniessen die moderne Dusche und waschen unsere Kleider, bevor wir die Kirche besuchen. Danach gehen wir wieder ins selbe Restaurant zum Abendessen. Jetzt schüttet es wieder aus Kübeln und es fliessen kleine Bächlein auf der Strasse. Wohlgenährt schlafen wir diese Nacht himmlisch in den Hotelbetten.

Montag, 21. Juli 2014 - Von Romont nach Vucherens (24 km)

Um 7.30 Uhr gibt’s ein vorzügliches Frühstück mit Müesli und Bleu. Danach marschieren wir los bei beginnendem Regen und ziehen die Ponchos an. Wird das nun der angesagte Dauerregen? Wir verlassen Romont steil abwärts und über eine sich langdahinziehende Strasse durch Wohnblocks. Nach einem Industriequartier gelangen wir endlich in den Wald, wo bald eine Gedenkstätte der „Vièrge de pauvres“ auftaucht. Wir gehen weiter Richtung Curtilles mehrheitlich auf Asphalt und (da es an die Broye hinunter geht) sehr lange steil abwärts. Diese Strecke ist uns noch von der Biketour bekannt. Im Tal unten angelangt, empfangen uns grosse, schöne Sonnenblumenfelder. Im Restaurant „Café Fédéral“ machen wir Znünipause. Danach geht’s weiter Richtung Moudon. Zuerst über Wiesen und Sonnenblumenfelder, dann der Broye entlang. In Moudon besichtigen wir zunächst die Kirche und reservieren unsere Übernachtung in Vucherens bei der Familie Bünzli, was auf Anhieb klappt. Da es nur eine Suppe zum Abendessen geben soll, entschliessen wir uns für ein anständiges Mittagessen in Moudon. Auf Empfehlung einer Passantin gehen wir in die „Post nouvelle“. Ihr Freund esse hier öfters und es gäbe feine, grosse Menues. Genau richtig für uns! Ich muss nicht lange die Speisekarten studieren. Heute gibt’s Pferdeentrecote auf heissem Stein mit Pommes, Gemüse, diversen Saucen und Salat als Menu III für etwas mehr als CHF 20.00. Wir nehmen gleich beide dasselbe und werden es nicht bereuen…… vorzüglich….. Danach wäre eine ausgiebige Siesta fein gewesen. Daraus wird aber nichts, denn beim Abmarsch setzt schon wieder Regen ein. Bei einem Campingplatz-Kiosk decken wir uns noch mit Twix und m&m’s ein. Von nun an regnet es andauernd, mal mehr, mal weniger und dazu kommt noch Wind. Gegen 16.00 Uhr treffen wir bei Bünzli’s ein und können ein liebevoll mit Geschmack eingerichtetes Quartier beziehen. Es stellt sich heraus, dass wir doch noch ein richtiges Menu am Abend erhalten. Zur Feier des Tages (Hochzeitstag) schenkt uns der Hausherr noch eine Flasche Wein. Schöne Geste…. Super Tag!

Dienstag, 22. Juli 2014 - Von Vucherens nach Lausanne (25 km)

Das Frühstück gibt es in der Küche der Familie Bünzli und wir sehen, dass das ganze Haus mit sich harmonierenden, speziellen Details eingerichtet ist. Nach dem feinen Frühstück geht es auf nach Lausanne. Am Ortsausgang von Vucherons treffen wir auf zwei Pilger aus St. Gallen, welche auch in Vucherens übernachtet haben. Sie sind bereits seit Rorschach unterwegs und waren ursprünglich mal zu Dritt. Wir treffen die Pilger noch zwei-dreimal und tauschen immer einige Worte/Erfahrungen aus. Der heutige Weg verläuft viel durch Wald und auf  für die Füsse angenehmer Unterlage. Es regnet immer wieder und so ziehen wir den Poncho auch immer wieder an und aus. Auf der heutigen Wanderung merken wir gar nicht wie die Zeit vergeht und als wir das erste Mal eine Pause einlegen wollen, ist es schon gegen 12.00 Uhr. Leider hat die Buvette am Mardi fermé! So ziehen wir weiter durch Wälder und über Wiesen, durch ein Wohngebiet bis zur St-Laurent-Kapelle bei Les Croisettes hoch über Lausanne. Von hier aus sehen wir das erste Mal die Kathedrale und der Weg bis dorthin wird sich noch lange dahinziehen. Es geht weiter durch Waldgebiet und auf einmal sind wir in der Stadt Lausanne und nur noch wenige Schritte von der Kathedrale entfernt. Die Kathedrale kennen wir bereits und so besichtigen wir sie nur kurz, holen den Pilgerstempel und steuern das nächste Restaurant an. Hier gibt’s sogar Apfelkuchen und wir bestellen gleich ein Stück mit. Danach reservieren wir im Hotel Elite ein Zimmer. Ein super Zimmer mit Entrée, sep. Eingang zum Badezimmer und zum Schlafzimmer, mit gefüllter Minibar. Es gibt sogar eine Badewanne, die wir gleich als Waschmaschine umfunktionieren. Im Zimmer eine Schnur spannen und die gewaschen Wäsche aufhängen. Nach kurzem „Roeschten“ geht es wieder in die Stadt zum Abendessen. Wir finden einen günstigen Italiener und essen wieder mal Pizza. Vor dem Schlafen schauen wir heute mal die Wettervorhersagen und sind ganz zuversichtlich für morgen.

Mittwoch, 23. Juli 2014 - Von Lausanne nach Allaman (31 km)

Entsprechend dem Hotel fällt heute das Frühstück sehr ergiebig aus: Müesli, Fruchtsalat, Gipfeli, Bürli, Zopf, Käse, Fleisch usw. Zum Glück frühstücken wir tüchtig, denn die Etappe soll länger werden als vorgesehen. Heute starten wir nach einem kurzen Marsch zur nächsten Bushaltestelle mit dem 2er Bus Richtung Maladière Lac in der Nähe von Vidy (diesen Wegabschnitt kennen wir bereits). Hier treffen wir wieder auf den Jakobsweg und wandern dem Seeufer entlag, mal auf Asphaltsträsschen, mal auf Kieswegen, mal auf Wanderpfaden, mal der Promenade entlang. Es ist ein abwechslungsreicher Wegabschnitt und manche Strecke kommt mir von der Biketour her bekannt vor. Besonders jene über eine Brücke bei der wir den Jakobsweg verloren hatten, was uns heute wegen einer Baustelle auch beinahe wieder passiert wäre. Eine Muschel am Baum und ein Imker bestätigen uns, dass wir auf der „Bonne Route“ sind. In Morges legen wir in der Hauptgasse in einem Kaffee eine längere Mittagsrast ein  und Heiner wechselt wegen seiner Fussschmerzen die Schuhe. Bevor wir weiter nach St. Prex wandern, möchten wir unsere Übernachtung reservieren. Wir telefonieren alle Adressen durch, die wir auf 3 verschiedenen Listen haben. Entweder nimmt niemand ab oder es ist schon ausgebucht. So beschliessen wir mal nach St. Prex zu gehen. Hier treffen wir gegen 15.00 Uhr ein und erkundigen uns auf dem Tourist-Office nach einer Übernachtungsmöglichkeit. In St. Prex sei alles ausgebucht und die Dame gibt mir eine weiter Liste mit möglichen Übernachtungen für Pilger. Beim zweiten Anruf klappt es und wir haben für heute Abend ein Bett in Allaman (dachten wir). Das heisst, dass wir nochmals rund 6 km oder 2 Std. unter die Füsse nehmen müssen. Zuvor stärken wir uns aber noch mit einem alkoholfreien Bier und finden auf dem GPS die Adresse des Zimmers. Wir entschliessen uns, so lange als möglich auf dem Jakobsweg zu gehen und dann dem GPS zu folgen. Wie sich dann aber herausstellt, zeigte uns das GPS eine andere Übernachtungsmöglichkeit an, zwar mit demselben Strassennahmen, aber in Etoy und nicht in Allaman. So kehrten wir wieder zurück auf den Jakobsweg, wanderten dann später der Hauptstrasse entlang und liefen so schnurstraks auf unsere Unterkunft zu. Die Dame empfing uns im Hof und meinte, sie hätte ein EFH in Aubonne. Wir hätten dort mehr Komfort und Platz und sie würde uns gerne dort unterbringen. Sie würde uns mit dem Auto dorthin fahren und am Morgen für’s Frühstück wieder abholen. So chauffiert sie uns nach Aubonne und wir haben ein ganzes Haus für uns alleine. Jetzt müssen wir auch keine Einkäufe für’s Abendessen machen und können im Ort in ein Restaurant gehen. In Allaman hätte es kein offenes Restaurant gehabt. Nach der erfischenden Dusche und der Fusspflege erkunden wir Aubonne. Wir finden keine grosse Auswahl an Restaurants und gehen in ein einfaches Lokal Lion d’Or (Name unseres Hotels in Romont). Es gibt Spaghetti Bolognese und ein Monaco. Neben einem weiteren Herr sind wir die einzigen Gäste. Wie während diesen Ferien üblich gehen wir wieder früh zu Bett.

Donnerstag, 24. Juli 2014 - Von Allaman nach Gland (15 km)

Heute ist erst um 7.00 Uhr Tagwache, da uns die Dame um 7.50 Uhr für’s Frühstück in Allaman abholen wird. Dort sehen wir kurz ihren Sohn, welcher die Domaine kürzlich von seiner Mutter übernommen hat. Die geernteten Trauben werden weiterverkauft und nur ein kleiner Teil für Eigenkelterung verwendet. Wie sich im Verlaufe des Gesprächs herausstellt, hatte die Dame Verwandte in Rehtobel und kennt St. Gallen gut. Nach einem kurzen Abstecher zur Kirche wandern wir weiter auf dem Jakobsweg. Kurz vor Rolle genehmigen wir uns einen Kaffee in einer Strandbar. Hier ist das Ufer zum Genfersee frei zugänglich und einige Frauen haben bereits ihren morgendlichen „Schwumm“ gemacht und sitzen auch in der Bar. Nach Rolle geht’s wieder den Hang hinauf durch Felder und Weinbaugebiet nach Bursinel. Mittlerweile ist es schon wieder heiss geworden und wir genehmigen uns eine Trinkpause. Danach geht’s weiter durch Rebberge und Waldgebiet. Dabei meinen wir, das Haus von Schumi gesehen zu haben. Kurz nach einem Feldweg treffen wir auf die Pilgerherberge in Gland, welche in einem Militärgebäude untergebracht ist. Sogleich rufen wir die angegebene Natel Nr. an und erhalten den Code für den Eintritt in die Herberge. Die Hospitalera, welche im gleichen Gebäude arbeitet, kommt etwas später zu uns in die Herberge. Sie erzählt uns, dass die Gemeinde Gland die Herberge finanziert, die Räumlichkeiten zur Verfügung stellt und mit freiwilligen Helfern betrieben wird. Wie wir im Gästebuch sehen, war letzte Nacht wieder die ganze Truppe von Heitenried hier (die Familie mit 4 Kinder und Hund, Werner und Bernhard). Im Verlaufe des späteren Nachmittags treffen noch zwei weitere Pilger ein: Othmar aus Wilen bei Will und Rita aus Österreich (an der Grenze zu Ungarn).  Othmar will auch bis nach Genf gehen und Rita macht ihren eigenen Weg über Frankreich nach Barcelona und dem Meer entlang nach Südspanien und dann nach Tanger. Die Hospitalera erhält einen Anruf von Radio SRF1, welches anlässlich des morgigen Jakobustages Pilger in verschiedenen Herbergen befragt. Die Redaktorin stellt mir einige Fragen zum Pilgern und morgen um ca. 7.20 Uhr wird mir dann die Moderatorin anrufen und in etwa dieselben Fragen stellen. Danach können wir endlich unser wohlverdientes, selbsteingekauftes und zubereitetes Abendmahl essen (Käse-/Wurstsalat garniert). Den Dessert, Erdbeerschnitten, teilen wir uns später mit den anderen 2 Pilgern beim gemütlichen Plaudern.

Freitag, 25. Juli 2014 - Von Gland nach Versoix (29 km)

Da heute früh das Radio anrufen wird, stehen wir bereits um 6.30 Uhr auf. Ich schaue, dass ich am Telefon einigermassen fit wirke, wasche mich kalt und trinke ein Glas Wasser, um die Stimmbänder zu „schmieren“. Dann schon um 7.15 Uhr klingelt das Telefon und Frau Schiess, die Moderatorin, meldet sich. Ich soll einfach am Telefon bleiben, sie melde sich dann nach ca. 1 Min. über das Radio wieder. Sie stellt mir einige Fragen, die zwar etwas anders sind als diejenigen von der Redaktorin, und ich versuche, so gut wie möglich zu antworten. Leider werden die Antworten nicht mehr so spontan wie gestern, da ich doch etwas nervös bin. Das erste Mal live am Radio und die ganze Schweiz hört zu. Prompt kommt postwendend ein SMS von einer Bekannten, die die Sendung gehört hat. Wie mir meine Mutter dann sagt, hätte man meine Stimme gar nicht gekannt. Sie hätte schon seit 6.00 Uhr Radio gehört und es seien noch andere Pilger in anderen Herbergen befragt worden. Anschliessend essen wir dann gemütlich unser gestern eingekauftes Frühstück zusammen mit den andern Pilgern in der Herberge. Heute werden wir mit Othmar und Rita zusammen nach Versoix wandern. Othmar entschliesst sich heute noch bis nach Genf zu gehen. Wir wollen dann morgen gemütlich in Genf einlaufen und anschliessend mit dem Zug nach Hause fahren. So „zotteln“ wir zu viert los. Zuerst geht es durch Gland an Wohnquartieren vorbei auf’s Land hinaus. Heute werden wir mehrheitlich oberhalb vom See wandern mit Ausblick auf das französische Ufer und die französischen Alpen. Abgesehen von der Aussicht ist es kein besonders schöner Wegabschnitt. In Nyon beim Bahnhof machen wir eine kurze WC-Pause. Als wir zur Stadt hinauswandern, hupt ein Auto und eine Frau ruft wie verrückt aus dem Auto: bonne chemin, bonne chemin, bonne chemin. Wir winken ihr zu. Wieder geht es über Felder und durch Reben den Hang hinauf und wieder hinunter. In den Dörfern sind leider praktisch alle Kirchen zu und wir erhalten kaum noch einen Pilgerstempel. Unsere heutige Mittagsrast machen wir dann bei der Kirche in Commugny unter einem Baum im Friedhof. Hier hat es eine schöne Bank und in der Kirche gibt es sogar einen Stempel. Als wir wieder aufbrechen, sehe ich, dass Rita eine Art Bandage um den Fuss hat und ich frage sie für was diese gut sei. Sie habe am Fussballen eine Blase und diese Bandage soll den Druck nehmen. Nur halte die Entlastung nicht immer an und die Blase beginne wieder zu schmerzen, was man an ihrem Gang sehen kann. Tapfer geht sie trotzdem weiter. Nach einer längeren Wanderung durch Wohnquartiere und einem kleinen Bächlein entlang, treffen wir gegen 15.00 Uhr beim Bahnhof in Versoix ein. Hier verabschieden wir uns von den anderen 2 Pilgern. Othmar geht weiter nach Genf und Rita weiss noch nicht was sie machen wird. Nachdem ich beim Bahnhof eine Passantin nach einem Restaurant gefragt habe, gehen wir schnurstraks auf’s erste Lokal zu. Eine Treppe hinunter und schon sind wir da. Endlich eine kühle Erfrischung mit Geschmack. Danach schauen wir, ob es im nahen Hotel Balances noch ein freies Zimmer hat. Dies ist prompt der Fall und wir reservieren gleich. Die Wirtin ist erst ab 17.00 Uhr im Hotel. So haben wir noch genügend Zeit bis dahin und genehmigen uns einen Coupe. Anschliessend beziehen wir unser Zimmer, welches ganz  ordentlich ist, duschen, machen Fusspflege und schon  bald ist es Zeit für‘s Abendessen. Heute können wir wieder unter freiem Himmel essen in einem Restaurant neben dem Hotel.

Samstag, 26. Juli 2014 - Von Versoix nach Genf (13 km)

Da heute Samstag ist, serviert das Hotel das Frühstück erst um 8.30 Uhr. Wir haben nur noch wenige Kilometer vor uns und können den Tag gemütlich angehen. Heute wandern wir viel auf Strassen und entlang der Bahngeleise bis wir kurz vor Genf zum See kommen. Es ist schon wieder ordentlich heiss und wir genehmigen uns in einer Strandbar eine kühle Erfrischung, bevor wir dann in unserem Zielort einlaufen. Beim Jet d’Eau macht ein Passant von uns beiden ein Foto. Danach marschieren wir dem Jakobsweg entlang zur "Basilique Notre Dame" neben dem Bahnhof, welche wir auf der Biketour gar nicht besichtigt hatten. Eine freundliche Aufseherin, die zudem Schweizerdeutsch spricht, gibt uns den Pilgerstempel und wir wechseln einige Worte. Dann wollen wir doch noch hoch zur Kathedrale in der Altstadt, wo wir unsere letzte Biketour nach Frankreich gestartet hatten. Hier ist dann auch unser Zielort für die diesjährige Jakobswegwanderung. Wir holen uns den Pilgerstempel in der Kirche und gehen zurück zum Bahnhof. Lösen die Tickets und da wir noch auf die Abfahrt des Zugs warten müssen, genehmige ich mir ein letztes Monaco und wir decken uns noch mit Verpflegung ein. Wie sich dann auf dem Perron herausstellt, ist wegen einem Personenunfall bei Nyon unser Zug gestrichen. Nachdem ich mich bei einem Bahnangestellten nach den weiteren Verbindungen nach Lausanne und anschliessend nach St. Gallen erkundigt hatte, steigen wir in den Zug der mit Sicherheit nach Lausanne fährt. In Lausanne müssen wir wieder umsteigen und dann auch nochmals in Zürich. Ansonsten hätten wir von Genf bis St. Gallen sitzen bleiben können. Ab Zürich ist der Zug so voll, dass die Leute bis Gossau in den Gängen stehen. Endlich in St. Gallen und noch einmal umsteigen und dann sind wir in Heerbrugg. In Heerbrugg haben wir sogar sofort einen Busanschluss nach Widnau. So haben wir trotz dem Zugsaufall nicht mal viel mehr Zeit benötigt als vorgesehen, um nach Hause zu kommen.

So nach zwei Wochen hätte ich mich ans auf dem Jakobsweg sein gewöhnt und wäre nun gerne weiter gelaufen…….

 

U L T R E I A