Münchner Jakobsweg
von München nach Lindau / St. Gallen

Nachdem ich den Münchnerweg mit dem Bike gefahren bin, war für mich klar, dass ich diesen schönen Abschnitt auch einmal zu Fuss gehen möchte. Diese Gelegenheit bot sich mir an, als ich die Ausschreibung von Josef Schönauer "pilgern.ch" entdeckte. Mein Interesse war gross und ich meldete mich bei Josef, den ich persönlich kenne.

Freitag, 4. August 2017 - Anreise nach München

Mit dem ÖV fahre ich nach St. Margrethen zum Bahnhof. Dort erwarte ich Josef und meine Mitpilgerinnen im Eurocity nach München. Der Zug fährt ein. Schnell finde ich den richtigen Wagen und entdecke ich die Pilgergruppe die ich schon beim Infotreffen in St. Gallen kennengelernt habe. Einer fehlt noch. Franz aus Salzburg wird in München zu uns stossen. Nach etwa 2 Stunden Zugfahren erreichen wir den Hauptbahnhof München. Schnurstracks laufen wir zum nahegelegenen Hotel "Atlas Residenz" wo wir uns einquartieren. Jetzt können wir auch Franz begrüssen. Er wird eine Woche lang mein Zimmerpartner sein. Um 15.00 Uhr treffen wir uns in der Lobby, wo Josef über den weiteren Tagesverlauf imformiert. Wir besichtigen einige Sehenswürdigkeiten u.a. auch die Klosterkirche St. Jakob am Anger. Dort beginnt morgen unsere Pilgerreise. Nach all den vielen Besichtigungen geniessen wir, wie es sich in Bayern gehört, ein kühles Blondes in einem Strassenrestaurant. Der Durst ist gestillt und wir gehen weiter zu einer grossen Grünanlge. Nicht weit vom japanischen Teehaus finden wir einen geeigneten Rasenflecken für unser Anfangsritual der Muschelübergabe. Zurück am Mariaplatz besuchen wir den "Ratskeller" , wo wir unsere knurrenden Magen mit bayrischen Spezialitäten (Schweinshaxen, Gulasch oder Sauerbraten mit Knödel) zufrieden stellen. Satt und gutgelaunt verlassen wir das Restaurant und schlendern zurück zum Hotel wo wir den "Schlaf des Gerechten" suchen.

 

 

Samstag, 5. August 2017 -  Von München nach Solln/Pullach (15 km)

 

Nach dem Frühstück starten wir zur ersten Etappe dieser Pilgerwanderung. Wir laufen zur Klosterkirche St. Jakob am Anger wo wir den Pilgersegen erhalten. Es sind über 50 Pilger anwesend. Eine Nonne stempelt unsere Pilgerpässe. Wir verlassen die Kirche und begeben uns zum Kaffee oder zum Einkauf der Mittagsverpflegung. Endlich geht's los. Gleich am Anfang leitet Josef die Schweigestunde ein. Still und in eigenen Gedanken versunken ziehen wir durch die ruhige Stadt zur Isar. Unter einem Baum wird die Schweigestunde von Josef aufgelöst. In einer Waldlichtung machen wir den Mittagshalt und verzehren das mitgebrachte "Picknick". Nach einem kurzen Nickerchen geht's weiter der Isar entlang. Kurz bevor wir nach Solln abzweigen und den Jakobsweg verlassen, geniessen einige ein Bad in der kalten Isar. Es geht weiter über eine Brücke. Von weitem hören wir schon eine Blasmusik und feiernde Menschen auf einem Floss. Es ist eine der beliebten feuchtfröhlichen Flossfahrt für Einheimische und Touristen aus der ganzen Welt.

 

Sonntag, 6. August 2017 -  Von Solln/Pullach nach Stanberg (28 km)

 

Nachdem die störrische Kaffeemaschine doch noch in Schwung kam, war das Frühstück gerettet. Frisch gestärkt machten wir uns auf zur zweiten Etappe. Fast den ganzen Morgen laufen wir im Wald der Isar entlang - welche im Tirol entspringt und Franz heimatliche Gefühle bringt. Auch heute ist wieder "Humpatätterää" von den Flossfahrten zu hören. Gegen Mittag gelangen wir zum Kloster Schäftlarn. Dort geniessen wir ein tolles Picknick auf den Sitzbänken. Es fängt an zu regnen und wir finden Unterschlupf im nahen Restaurant, wo wir noch in den Genuss eines heissen Kaffee's kommen. Nach der Besichtigung der Klosterkirche, regnet es heftig und wir montieren unsere Regenausrüstung. Gleich geht's steil hinauf (bis vor kurzem war hier noch eine Treppe) nach Ebenhausen. Es regnet immer noch und wir bereiten uns für eine Rast unter der Autobahnbrücke vor. Aber unverhofft erwartet uns eine kleine Kapelle am Wegesrand. Alle finden einen Platz um auszuruhen und ein Lied anzustimmen. Der Regen lässt nach und wir  kommen nach etwa 28 km trocken in Percha / Starnberg an. Nach dem Bezug des Zimmer's und der wohltuenden Dusche geniessen wir einen feinen bayrischen "Z'nacht" und den wunderschönen Sonnenuntergang.

 

Montag, 7. August 2017 -  Von Starnberg nach Diessen (23 km + 7 km Schiffahrt)

Schon um 5.30 Uhr treffen sich fünf Pilgerinnen vor ihren Zimmern, um gemeinsam im Starnbergersee einen "Morgenschwumm" zu geniessen. Nach dem frühen "Z'morge" laufen wir gestärkt zum See. Dort entspannen wir uns mit vorgemachten Lockerungs- und Dehnübungen von Elisabeth. Wieder pilgern wir schweigend los, der Uferpromenade entlang und an Bootshäusern vorbei. Der heutige Tag ist wieder wunderbar sonnig und führt uns durch traumhaft schöne Landschaften. Bald erreichen wir die Maisingerschlucht, wo wir zusätzliche Hindernisse (umgestürzte Bäume) bewältigen müssen. Über Wald- und Wiesenwege kommen wir gegen Mittag beim Kloster Andechs an. Bei der Klosterpforte stellen wir unsere Rucksäcke ab und genniessen im Biergarten des Klosters Weisswürste und ein kühles Bier. Nach der Besichtigung der Klosterkirche führt uns ein Waldweg hinunter nach Herrsching an den Ammersee. Mit dem Schiff fahren wir nach Diessen, dem Ende der heutigen Etappe. Während die meisten Pilgerinnen auf dem Vorderdeck ein Plätzchen finden, geniesse ich mit Franz ein Bier an der Bar.

 

Dienstag, 8. August 2017 -  Von Diessen nach Hohenpeissenberg (29 km)

Nach dem reichhaltigen Frühstücksbuffet starten wir zur 4. Etappe. Durch das Städtchen Diessen gelangen wir zum Marienmünster. Nach der Besichtigung der im Barock gebauten Stiftskirche und der üblichen Aufwärmrunde machen wir uns schweigend auf den Weg. Weil da und dort die wegweisende Muschel nicht auffindbar ist, finden wir wieder mit Hilfe von Einheimischen, GPS und Karten den richtigen Camino. Durch Wiesenlandschaften und Wäldern pilgern wir weiter zum Kloster Wessobrunn. Im Garten neben einer Forellenzucht finden wir ein tolles Plätzchen für das Mittagspicknick. Nach einem kurzen Mittagsschläfchen besichtigen wir die Klosterkirche. Graue Wolken und vorausgesagte Regenschauer zwingen uns zum Aufbruch. Eine schier endlos wirkende hügelige Landschaft begleitet uns Richtung Hohenpeissenberg. Bei Hohenpeissenberg teilt sich die Gruppe auf. 4 Pilgerinnen mit schmerzenden Füssen nehmen die Abkürzung der Strasse entlang zum Hotel. Für uns lag noch der Aufstieg zur Wallfahrtskirche auf die Bayrische Rigi bevor. Etwa 5 Minuten vor erreichen der Kirche, öffnet Petrus alle Hähnen und es giesst wie aus Kübeln. Fluchtartig stürzen wir uns in den schutzbringenden Tannenwald. Das Gewitter ist vorüber und wir wandern weiter. Oben angekommen empfängt uns ein grosser Jakobus aus Holz gechnitzt. Eine herrliche Aussicht belohnt uns für die Strapazen. Nach der wohltuenden Kaffeerunde mit Kuchen besuchen wir die Kirche. Ein steiler Abstieg zum Abschluss der heutigen Etappe steht uns bevor. Müde aber glücklich erreichen wir unsere Unterkunft. Nach dem Nachtessen (liebevoll zugerichtete kurdisch/türkische Spezialitäten) in der nahestehenden Imbiss-Stube und einem gegenseitigen "Gute Nacht" holt mich der Schlaf ein.

 

Mittwoch, 9. August 2017 -  Von Hohenpeissenberg nach Wildsteig (21 km)

Wir treffen uns um 8.00 Uhr in der Unterkunftswohnung. Josef eröffnet das Morgenritual mit dem Lied "Pilgrim" ...>> von Enya das allen unter die Haut geht. Mit den Gedanken des Liedes und nach der Aufwärmrunde mit Elisabeth brechen wir auf. In einer Waldlichtung entdecken wir 2 Rehe. Vorbei  an Haferfeldern und kleinen Wäldern finden wir einen geigneten Platz für die 10 Minuten-Pause. Es geht weiter z.T. auf Naturstrassen. Bei einem windgeschützten Häuschen entscheiden wir uns für die Mittagspause. Hier essen wir die mitgebrachten Sandwiches. Gestärkt gehen wir weiter. Die Ammerschlucht steht uns bevor. Weil das durchqueren der Schlucht bei Nässe gefährlich ist, entscheiden wir uns, auf dem Radweg nach Rottenbuch zu wandern. Wir kommen zum Kloster Rottenbuch und besichtigen die ehemalige Klosterstiftskirche. Nach dem Stempeleintrag im Pilgerpass, finden wir ein Kaffeehaus mit schönem Garten. Die meisten von uns geniessen zum Kaffee den spez. Himmelskuchen. Dieser ist so gross, einfach himmlisch.... Weiter geht's nach Wildsteig. Schon bald sehen wir den Zwiebelturm der Jakobskirche. Angekommen besichtigen wir die in Renovation stehende Kirche. Leider ist die Statue von Jakobus nicht zu sehen. Nach der Zimmerverteilung treffen wir uns zum Austausch des heutigen Tages. Der Magen knurrt. Wir begeben uns zum "Gasthof zur Post" wo wir vom Chef persönlich bedient werden. Er ist lustig und macht Witze über die Appenzeller. Die traditionellen Ohranhänger der Appenzeller sind ihm ein Dorn im Auge. Ich geniesse ein Rehfilet und dazu ein bayrisches Bier. Am späteren Abend gehen wir alle zufrieden ins Bett.

 

Donnerstag, 10. August 2017 -  Von Wildsteig nach Lechbruck (17 km)

Morgens um 06.30 Uhr weckt mich mein Wecker «Franz» herzlich mit Salzburger Charme: «Guten Morgen, es ist halb Sieben». Nach dem Frühstück im «Gasthof Zur Post» erwartet uns Josef unter einem grossen Lindenbaum zum Startritual unter dem Motto: <Ich suche nicht, ich finde!> Vor dem Losmarschieren wärmen wir unsere Muskeln mit vorgegebenen Übungen von Elisabeth. Mit der üblichen Schweigestunde beginnen wir die Tagesetappe. Eine Stunde schweigen, in sich versinken, die Natur geniessen, einfach herrlich. Kurz vor Ankunft bei der Wieskirche hebt Josef das Schweigeritual bei einem Austausch auf.  Wir erreichen die Wieskirche und besuchen das im Rokoko-Stil erbaute Gotteshaus. Wir bestaunen die wunderschönen Gemälde und Statuen bei herrlichen Orgelklängen. An einem Seiteneingang finden wir den Kasten mit dem Pilgerstempel, den uns Josef persönlich in den Pilgerpass setzt. Im naheliegenden Café geniessen wir die traditionellen «Kücherl» zusammen mit einer Tasse Kaffee. Bevor wir weitermarschieren, treffen wir wieder das Pilgerpaar aus München, das uns schon vor ein paar Tagen begegnete. Josef überreicht ihnen eine Visitenkarte von der Pilgerherberge St. Gallen. Wir wandern weiter auf dem nassen Brettleweg, ein mit Holzbrettern belegter Weg durch ein Sumpfgebiet. Es beginnt zu regnen und unsere Pilgerschar wird ruhiger und ruhiger. Ich frage mich: «Ist eine Schweigestunde angesagt worden?» Durch einen Wald, über feuchte Wiesen und einem Bach entlang erreichen wir das Kloster Steingaden. Wir besichtigen die Klosterkirche. Statt bei «Picknick» machen wir die Mittagsrast beim «Griechen» in der Taverne. Wir verzehren verschiedene griechische Spezialitäten. Mmmh, alles wird restlos aufgegessen. Wir gehen weiter und es regnet immer noch. Mit «Mir geht’s gut» motivieren wir uns gegenseitig und Josef fängt an zu singen: «Wann wird’s mal wieder richtig Sommer». Die Stimmung ist trotz des schlechten Wetter hervorragend. Ich erlebe einen Schreckmoment. Maya stolpert über den Strassenrand und fällt hin. Schnell beuge ich mich zu ihr, um mich nach ihrem Befinden zu erkundigen. Sie schaut mich an und fängt laut an zu lachen. Das ist die schönste Antwort, die ich bekommen kann. Wir kommen zeitig in der «Pension Elisa» in Lechbruck an. Da kein Zweibettenzimmer zur Verfügung steht, erhalten Franz und ich je ein Einzelzimmer. Ich habe gelesen, dass im Rathaus der beliebte Pilgerstempel zu bekommen ist. Es regnet jetzt weniger und ich laufe los Richtung Rathaus. Der Regen wird wieder heftiger. Da kommt mir Franz entgegen - er hat die Kirche besucht – und wir gehen geneinsam zum Rathaus. Wir bekommen den schönen Pilgerstempel von einer freundlichen Dame in den Pilgerpass gedrückt. Zurück in der Pension erfahre ich halb durchnässt, dass es hier den genau gleichen Stempel gibt. Aha! Von Elisa erhalte ich einen Schirm. Ich begebe mich mit meiner Pilgerfamilie zusammen zum «Gasthaus zum Metzgerwirt». Im dortigen Zimmer «zum zornigen Holzwurm» treffen wir uns zum heutigen Austausch. Beim gemeinsamen Abendessen lassen wir den Tag ausklingen. Jeder Tag ist ein schöner Tag.

 

Freitag, 11. August 2017 -  Von Lechbruck nach Marktoberdorf (29 km)

Unser letzter Pilgertag beginnt schon früh um 6.15 Uhr. Wir treffen uns am Eingang der Pension und gehen für das Frühstück dem Lechufer entlang zum Café "Zur alten Schule". Vor dem losmarschieren stimmt uns Josef mit dem Gelegenheitsgebet für die Tagesetappe ein. Zu Sechst geht's um 7.30 Uhr los über den Panoramaweg mit wunderschönem Blick nach Lechbruck. Die 4 von den Strapazen gezeichneten Pilgerinnen fahren mit dem Bus nach Bernbeuren. Kurz vor Bernbeuren überholt uns der Bus mit unseren winkenden Pilgerinnen. Eine viertelstunde später treffen wir uns bei der Bushaltestelle und gehen gemeinsam zur Pfarrkirche St. Nikolaus, die wir auch besichtigen. Den Pilgerstempel finden wir gleich nebenan in einem blauen Holzkästchen. Die Wanderung wird mit der Schweigestunde fortgesetzt. Durch die Feuersteinschlucht erklimmen wir den Auerberg. Der Steig führt entlang des Baches durch den Wald über Holzstege und Treppen. Oben angekommen führt uns der Weg zur St. Georgskirche die sich auch in Renovation befindet. Drinnen finden wir besinnliche Ruhe und einen weiteren Stempel für unseren Pilgerpass. Wir machen eine Pause mit Kaffee und Kuchen im Panoramagasthof Auerberg. Wegen dem schlechten Wetter verpassen wir den Panoramablick. Durch den Wald geht's runter nach Stötten, wo Josef ein trockenes Plätzchen für die Mittagsrast findet. Nach einem kurzen "Nickerchen" wandern wir weiter nach Marktoberdorf. Der Weg führt uns durch eine fantastische Baumallee zur Kirche. Nach dem Besuch der Kirche gratulieren wir uns mit Umarmungen und lassen den Emotionen freien Lauf. Im Pfarrhof erhalten wir den Pilgerstempel von Pater James aus Nigeria der auch noch das Gruppenfoto auf einige Handys zaubert. Jetzt geht's direkt zu unserer Unterkunft "Hotel Sepp" wo ein alter Pilgerfreund uns empfängt. Er ist extra von Freiburg i.B. angereist. Die Freude war gross, so dass Peter die "Bierrunde" übernahm. Bei einer entspannten, fröhlichen Stimmung fanden wir den Abschluss des Tages im Gasthof Burger bei einem feinen Abendessen.

 

Samstag, 12. August 2017 - Heimreise nach Rorschach

Heute können wir einmal ein bisschen ausschlafen. Erst um 9.00 Uhr werden wir zum Frühstück erwartet. Ein grosses Schlemmerbuffet steht uns zur Verfügung. Wir geniessen unseren letzten gemeinsamen "Z'morge". Frisch gestärkt gehen wir zum Friedhof für das Schlussritual. Danach finden wir uns in der Kirche wieder und singen zum Abschluss das Lied "Laudate omnes gentes". Josef verteilt die Erinnerungskarte, wir umarmen uns noch einmal und wünschen alles Gute. Im "Frühstücks-Café" geniessen wir ein Himbeer-Tortenstück mit Kaffee. Franz hat sich unterdessen schon verabschiedet und sitzt im Zug nach Salzburg. Bald besteigen auch wir den Zug nach Lindau, wo wir dann mit dem Schiff nach Rorschach fahren. Der Abschied kommt näher, die letzten Fotos werden gemacht. Vom Schiff aus sehe ich schon Christine die mich abholt.

 


Freitag, 13. Juli 2018 - Von Marktoberdorf nach Unterthingau (12 km)

Nach einer angenehmen Fahrt mit dem Zug, erreichen wir gegen Mittag Marktoberdorf. Es ist bereits sehr heiss. Schnell begeben wir uns zum Bistro am Bahnhof, um uns für die erste Etappe zu stärken. Wir laufen weiter zur evangelisch-lutherischen Kirche, wo uns Josef mit dem Startritual und mit Beginn der Schweigestunde auf den Pilgerweg führt. Der Weg führt aus Marktoberdorf hinaus nach Talhofen. Von dort mehr oder weniger der Strasse entlang. Das Schweigen lässt alle Klänge intensiver erleben, solche die Stören und solche die Freude bereiten. Im Dorf Geisenried wird bei der Kirche die Schweigestunde aufgelöst und erste Erfahrungen werden ausgetauscht. Wir pilgern weiter nach Unterthingau. Dort sind wir im Gasthof Felderwirt einquartiert. Ein schattiger Biergarten lädt zu einem kühlen Getränk ein. Das Austauschtreffen halten wir im Wintergarten ab. Die Runde schliesst mit einer Vorschau auf den Samstag. Es ist Zeit für das Nachtessen. Wir geniessen die bayrischen Verlockungen, u.a. auch übergrosse Schweinehaxen. Wohlgenährt begibt sich die Gruppe nach und nach in die Zimmer zum wohlverdienten Schlaf.



Samstag, 14. Juli 2018 - Von Unterthingau nach Kempten (25 km)
 

Nach dem Frühstück beginnen wir mit Lockerungsübungen mit Elisabeth im Garten des Gasthof Felderwirt. Nach einem Segensgebet von Josef gehen wir eine Stunde lang schweigend durch das weite Wiesland, vorbei an Bauernhöfen und geniessen die grosse Weitsicht. Bei einer kurzen Trinkpause beendet Josef die Schweigestunde. Langsam geht es bergauf auf über 800m. In der Alphütte Beichelstein geniessen wir unsere bestellten Getränke. Wir pilgern weiter. Bald erreichen wir die Kemptner Waldkapelle, welche uns zu einer kurzen Rast einlädt. Weiter geht es vorbei am Findling Dengelstein. Mit einer Höhe von über 8 Meter und einem Volumen von etwa 400-500 Kubikmeter, ist es der grösste noch erhaltene Findling im Kemptner Wald. Am Waldrand neben gefällten Bäumen finden wir einen schönen Picknckplatz, wo wir das abwechslungsreiche Essen geniessen. Nach dem kurzen Mittagsschläfchen brechen wir auf zu unserem Tagesziel Kempten. Oberhalb der Stadt geniessen wir die Aussicht und sind in Gedanken schon beim kühlen Bier im Hotelbiergarten. Bald erreichen wir die Fussgängerzone in Kempten. Nach einem erfrischendem Getränk erreichen wir unsere Herberge, das Hotel Peterhof nach 25 km bei sehr hohen Temperaturen. Vor dem Nachtessen treffen wir uns zur Austauschrunde mit den Lebensfragen die zu einem solchen Tag passen. <<Wohin gehe ich? Den Power für's Leben mitzunehmen, um etwas zu machen>>.



Sonntag, 15. Juli 2018 - Von Kempten nach Buchenberg (14 km)

 

Nach dem Frühstück hält Josef die Einstimmung und Elisabeth macht uns fit für den Tag. Um halb zehn bricht die Gruppe auf zur Schweigestunde bis nach Maria Berg. Im nebenanstehenden Gasthaus erholen wir uns bei einer gemütlichen Kaffeerunde. Es geht weiter auf und ab, über eine Hochebene mit Aussicht über das hügelige Allgäu. Auf einer Liegewiese oberhalb des Herrenwieserweiher verzerren wir unser Mittags-Picknick. Der Weg am Nachmittag verläuft zwischen dem Weiher und Buchenberg über sechs Kilometer auf der Trasse des ehemaligen Isny-Bähnle. Mittlerweile ist es wieder sehr heiss geworden und wir suchen jeden Meter Schatten für ein bisschen Abkühlung auf. Bei der Ankunft im Hotel Sommerau empfängt uns eine Gartenlaube. Alle sind durstig und Doris gibt eine Runde aus. Elisabeth und Josef offerieren uns anlässlich ihres Hochzeitstag eine Torte. Nach dem Zimmerbezug begeben sich die Frauen zum nahegelegenen Moorloch, wo sie in vollen Zügen ein Moorbad geniessen. Es ist Nachtessenszeit. Elisabeth und Josef sind jetzt unsere Gäste und wir feiern ihren Hochzeitstag. Es wird getafelt, Wein getrunken, fotografiert und viel gelacht. Um etwa 22 Uhr fallen wir müde ins Bett.



Montag, 16. Juli 2018 - Von Buchenberg nach Weitnau (18 km)

 

Wie jeden Morgen bringt uns Elisabeth nach dem Frühstück mit Stretching-Übungen in Schwung. Wir laufen ins Dorf um Proviant für die Mittagsrast einzukaufen. Die Sonne heizt bereits schon sehr stark. Die nächste Stunde geniessen wir schweigend durch viele Waldpassagen. Nach dem Besuch der Kirche in Rechtis laufen wir weiter Richtung Weitnau. Nach einem steilen Anstieg finden wir einen Rastplatz, der von Josef liebevoll "Rest. Zur Frohen Aussicht" genannt wird. Hier essen wir unser mitgeschleptes Picknick. Ein angenehmer Wind versüsst uns unsere Rast. Anschliessend geht's weiter über die Sonneck hinunter nach Weitnau, wo wir am frühen Abend das Dorf müde erreichen. Vor dem Zimmerbezug im Hotel Krone gönnen wir uns bei der Bäckerei einen Kaffee mit Kuchen.



Dienstag, 17. Juli 2018 - Von Weitnau nach Weiler i.A. (25 km)
 

Frisch gestärkt versammeln wir uns heute unter dem Lindenbaum vor der Kirche zu den vorgegebenen Übungen von Elisabeth. Nach der Einstimmung durch Josef geht's in die Schweigestunde. Der Weg führt aus dem Dorf ins Grüne durch Kuhweiden und über einen Bach. Hier endet die beliebte Schweigestunde. Weiter geht's zur Wendelinskirche nach Sibratshofen. Die Rast in der kühlen Kirche wird von allen PilgerInnen genossen. Nach dieser kurzen Pause steigen wir über einen schmalen Pfad und über Treppen zum Kapf hoch. Wiederum können wir einen wunderbaren Ausblick in die Weite erleben. Nach dem Abstieg finden wir in Harbatshofen einen im Bau befindenden Stall. Der Besitzer erlaubt uns dort zu picknicken. Gestärkt und ausgeruht setzen wir den Weg fort. Durch Wiesenfelder, auf und ab, erreichen wir Simmerberg. In einer Pizzeria stillen wir unseren Durst, bevor es auf die letzten 3 km nach Weiler weiter geht. Ein kurzer Platzregen sorgt für eine willkommene Abkühlung. Im Brauerei Gasthof zur Post in Weiler beziehen wir unsere Zimmer und geniessen die wohltuhende Dusche vor dem Nachtessen. Danach suchen wir den Dorfplatz auf, wo eine Dorfkapelle und eine Trachtengruppe ihr können zum Besten geben. Mit einem Schlummertrunk nehmen wir Abschied von diesem schönen Anlass.



Mittwoch, 18. Juli 2018 - Von Weiler i.A. nach Scheidegg (8 km)
 

Ich liege bereits wach im Bett und punkt 7.00 Uhr erinnert mich der Handy-Wecker ans Aufstehen. Nach dem Frühstück wärmen wir unsere Muskeln mit vorgegebenen Übungen von Elisabeth. Anschliessend begeben wir uns in die Kirche St. Blasius, wo Josef uns die Legende von St. Blasius erklärt. Mit der üblichen Schweigestunde beginnen wir die Tagesetappe. Eine Stunde schweigen, in Gedanken versinken und die Natur geniessen. Es ist schon sehr heiss. Der Weg führt abseits der Strasse einem Bach entlang. Ein steiler Aufstieg treibt uns den Schweiss noch mehr heraus bevor wir den Weiler Bux erreichen. Nach einer kurzen Waldpassage hebt Josef das Schweigeritual bei einem Austausch auf. Wir laufen weiter zur Katharina Kapelle in Böserscheidegg und legen eine Verschnaufpause ein. Nach dem Abtrocknen der Schweissperlen pilgern wir weiter und schon stehen wir vor der hölzernen Martina Kapelle. Nach der Besichtigung lädt uns die freundliche Bäuerin im nebenanliegenden Bauernhof zu einer «Kälbli-Besichtigung» ein. Voller Stolz zeigt sie uns das 2-Tage alte Kälbli. Wir verabschieden uns und machen uns auf die letzten Kilometer. Um die Mittagszeit erreichen wir die Pilgerherberge in Scheidegg, wo wir übernachten werden. Hospitalero Werner empfängt uns mit Bier und Wasser. Wir suchen die ideale Matratze für die nächste Nacht. Doris empfängt ihren Mann und ihren Mops die uns zum Mittagessen im Gasthof Post begleiten. Auf dem Weg dahin überrascht uns Petra mit einem Kurzbesuch. (Petra war zusammen mit Elisabeth und Josef auf dem Jakobsweg in Spanien). Nach dem Mittagessen fährt uns Hospitalero Werner zum nahegelegenen Alpenfreibad. Wir geniessen die Abkühlung unseres heissen Körpers mit einem Schwumm im kühlen Wasser. Clara offeriert uns eine feine Glace. Herzlichen Dank! Die Zeit vergeht wie im Fluge und wir verlassen diese wunderschöne Anlage. Zu Fuss erreichen wir die Pilgerherberge wo wir uns zum Austausch des Tages besammeln. Vor dem Abendessen in der Pilgerherberge geniessen wir das Beisammensein in einer fröhlichen, lustigen Runde. Nun serviert uns Hospitalero Werner das Nachtessen höchst persönlich. Die Vorspeise Salat und Melone mit Rohschinken und danach den Hauptgang gebratene Forelle mit Kartoffelsalat. Vor dem ausgiebigen Dessert unterhält uns Werner mit seiner Gitarre und Pilgerliedern. Jetzt kommt auch der Hilfskoch dazu und erzählt uns lustig-witzig von seinen Anekdoten auf dem Jakobsweg. Andere Pilgerinnen möchten es auch lustig haben und setzen sich zu uns. Werner holt wieder seine Gitarre und singt das Lied «Gute Nacht Freunde» von Reinhard Mey. Danach wünscht er uns eine gute Nacht und schlaft gut. Da kommt mir Barbara in den Sinn. "In der Pilgerherberge schläft man nicht, man übernachtet". Also, Gute Nacht Freunde!



Donnerstag, 19. Juli 2018 - Von Scheidegg nach Lindau (23 km)
 

Eine recht ruhige Nacht im 8-Bett Zimmer geht zu Ende. Einzelene haben tatsächlich kein Schnarchen gehört und schliefen besser als in den Hotels. Schon um halb sieben treffen wir uns in der Kirche. Josef lässt Musik ertönen. Wir gehen langsam hintereinander durchs Labyrinth. Zusammen in die gleiche Richtung gehen und die Kraft der Mitte spüren. In der Zwischenzeit hat unser Gastgeber Werner in seiner Herberge ein feines Frühstück auf den Tisch gezaubert. Nach einem kurzen Einturnen direkt vor der Herberge, packen wir die zweitletzte Etappe an. 23 km bei herrlichem Wetter liegen vor uns. Wir pilgern nach Lindau durch den Höhenkurort Scheidegg, runter zur Gallus-St.Mang Kapelle die wir schweigend betrachten und weiter zur Wendelinskapelle. Hier rasten wir und gehen weiter nach Niederstaufen, wo es zum Glück noch ein Dorflädeli gibt und wir unser Picknick einkaufen können. In Sigmarzell angekommen, erspähen wir neben dem Pfarrhaus eine wunderschöne Gartenlaube. Sie sieht verlockend aus für unsere Mittagsrast. Die Besitzerin erlaubt uns die Stühle und den Tisch zu benutzen. Es wird heisser und heisser und nach einer guten Stunde geht's schwitzend weiter mit aufgefülltem Wasser vom kühlen Friedhofbrunnen. In Schlachters hat ein kleines Bistro geöffnet. wir benutzen die Gelegenheit für ein kühles Getränk. Der Weg führt weiter über Strässchen, Wiesen und Wälder zur Kapelle mit wunderbarem Weitblick über den Bodensee bis zum Säntis. Nach dem Gruppenfoto geht es weiter abwärts zum Monfort Schlössle. Im wunderbaren Garten geniessen wir das kühle Nass in verschiedenen Formen und Mengen unter schattenspendenden Bäumen. Der Abstieg nach Lindau wird angepackt. Die letzten Kilometer liegen vor uns. Im Hotel Noris werden wir herzlich empfangen. Vor dem Nachtessen begeben wir uns in ein kühles Zimmer zu einer Austauschrunde. Anschliessend an das bayrische Abendessen schlendern wir durch die Lindauer Gassen zum See und geniessen den herrlichen Abend.



Freitag, 20. Juli 2018 - Von Lindau nach Rorschach / St. Gallen (20 km)
 

Heute nehmen wir die letzte Etappe unter die Füsse. Durch die Altstadt mit ihren schmucken Häusern, Museen und Palästen schreiten wir zum Hafengelände. Ein Kursschiff bringt uns via Wasserburg nach Rorschach. Wir geniessen die Überfahrt, wäre es doch zu Fuss noch eine Tageswanderung. In Rorschach angekommen kauft Elisabeth zuerst den Mittagslunch ein und verteilt die Ware in die Rucksäcke. Weiter geht's ein paar Schritte hinunter zum Jakobsbrunnen. Welch Überraschung! Unser Pilger-Sepp von der Pilgerherberge St. Gallen, im Tenu des Glöckners, empfängt uns mit dem Geläut des kleinen Glöcklein. Nach dem offerierten Apérogetränk, laufen wir schweigend weiter. Es ist schon wieder recht heiss, die Sonne brennt. Der Weg führt nach Goldach zum Appenzellerweg und über die Autobahnbrücke steil hinauf zum Mötelischloss. Beim Schlossweiher beenden wir die Schweigestunde. In Untereggen finden wir bei der Kirche einen schönen Platz für das Mittags-Picknick. Ausgeruht und frisch gestärkt pilgern wir weiter. Hinunter zur Martinsbrugg, dann im kühlen Wald zum Schaugenbädli und wieder steil hinauf zum Schaugenhof. Jetzt geht's nur noch runter nach St. Gallen bis zu unserer Pilgerherberge. Ein kurzer Besuch darf da nicht fehlen. Bis zur Kathedrale sind es jetzt noch 10 Minuten. Im Dom angekommen singen wir das Lied: "Laudate omnes gentes". Wieder draussen auf dem Gallusplatz gratulieren wir uns gegenseitig mit einer herzlichen Umarmung.



Samstag, 21. Juli 2018 -  St. Gallen (Abschluss auf dem Freudenberg)
 

Nach dem Frühstück im ehemaligen Priesterseminar und der Besichtigung der Krypta in der Kirche St. Georgen laufen wir schweigend hinauf zu Freudenberg. Die Aussicht über die Stadt und den Bodensee passt sehr gut zu unserem Pilgermotto "Weitblick". Wir sitzen auf eine Bank unter den Bäumen am Waldrand und lassen uns bei geschlossenen Augen die ganze Woche revue passieren. Anschliessend verabschieden wir uns von dieser Pilgerreise.