Samstag, 29. September 2012

Ab 7.15 Uhr steht der Bus bereit und wir können schon unser spärliches Gepäck verladen. Anschliessend beginnt das Startritual mit der Übergabe der Muschel und dem Pilgersegen in der Kirche von Ennetbürgen, welches Elmar und Pius zusammen gestalten. Anschliessend chauffiert uns Johnny mit dem Bus via Bern, Genf, Grenoble nach Avignon. Hier besichtigen wir kurz die Stadt mit dem Papst Palast. Bei unserer Rückkehr zum Bus schenkt unser Pilgerleiter Pius bereits einen Apéro aus. Gerne nutzen wir die Gelegenheit, um uns schon mal die Namen unserer Mitpilger beim Anstossen einzuprägen. Da die Bahnbrücken in Avignon für unseren Bus zu niedrig sind (oder unser Bus zu hoch ist), beschert uns dieser Umstand eine schöne Stadtrundfahrt. Nach der Ankunft im Hotel heisst es, rasch die Rücksäcke für die morgige Übernachtung in der Pilgerherberge von St. Jean-Pied-de Port zu packen (Schlafsack, Zahnbürste und –pasta, Wechselwäsche usw.). Um 19.00 Uhr nehmen wir dann unser erstes gemeinsame „Poulet-Abendessen“ ein.

 

Camino Frances

Gruppenreise mit Pius Süess und Elmar Rotzer

 

 

Sonntag, 30. September 2012

Bereits um 7.00 Uhr dürfen wir frühstücken, um dann pünktlich für die Abfahrt um 8.00 im Bus zu sitzen. Die Fahrt geht weiter über Toulouse zu unserem ersten grossen Zwischenhalt in Lourdes. Hier angekommen, kaufen wir zuerst kleine Fläschchen für’s Lourdwasser ein. Bis zur Pilgerstätte gehen wir zuerst durch Gassen übersät mit Devozionaliengeschäften. Es glänzt und glitzert nur noch. Beim Brunnen füllen wir zunächst die gekauften Fläschchen sowie eine Trinkflasche für die morgige Pyrenäenwanderung mit Lourdeswasser. Dann besuchen wir die Grotte sowie die untere und obere Basilika. Vor der Grotte wird gerade der Rosenkranz gebetet, in der oberen Basilika eine Messe gefeiert und bei der unteren Basilika beeindrucken uns die Wandmalereien. Nachdem wir eine Kerze angezündet haben, müssen wir schon wieder zurück zum Bus. Weiter geht’s nach St. Jean-Pied-de-Port, wo unsere Wanderung auf dem „Camino Frances“ beginnen wird. Auf der Fahrt werden berührende Geschichten im wahrsten Sinne des Wortes „Wunder“ über die Wirkung von Lourdeswasser erzählt. In St. Jean-Pied-de-Port beziehen wir unseren Schlafsaal (12 Bettzimmer/6 Kajütenbetten mit 1 DU/WC). Anschliessend gibt es ein feines Abendessen in der Pilgerherberge und es gesellt sich ein weiterer Pilger aus dem Tessin zu uns. Danach müssen wir uns beeilen mit der Nachttoilette und dem Schlüpfen in den Schlafsack, denn um 22.00 Uhr ist Lichterlöschen! (auch wenn man den Lichtschalter wieder betätigt, gibt’s kein Licht!) Das Schnarchkonzert lässt nicht lange auf sich warten…….Zum Glück gibt’s Ohrstöppsel.
 

 

Montag, 1. Oktober 2012
 

Heute ist bereits um 6.30 Uhr Tagwache, wobei es noch lange nicht taghell wird. Im Dunkeln suchen wir unsere 7 Sachen zusammen, ziehen uns an und machen eine kleine Morgentoilette. Irgendwie stimmt was mit meinen Linsen nicht, ich sehe noch schlechter als ohne Brille! So geht das nicht, raus mit den Linsen und rauf mit der Brille. Wie sich am Abend herausstellt, hatte ich die Linsen von Heiner erwischt! Frühstück gibt’s in der Herberge. Das Geschirr wird von jedem selber abgewaschen. Mit dem bereits gepackten Rucksack treffen sich die Weitpilger (die nächsten Tage werden wir in dieser Gruppe pilgern) um 7.30 Uhr zum Kerzenritual in der Kirche. Um 8.00 Uhr ist dann endlich Abmarsch Richtung Roncesvalles über die Pyrenäen. Zuerst geht es eine steile Rampe auf einer Teerstrasse hoch und wir kommen schon das erste Mal so richtig ins Schwitzen. Danach geht es weiter auf einer asphaltierten Strasse weniger steil den Berg hoch. Bei einem Halt an einem Aussichtspunkt ruft uns eine vorbeigehende Frau Frau „hoi“ zu. Kenne ich diese Frau? Sie scheint den gleichen Dialekt zu haben!? Beim Kaffee- und Kuchenhalt in der nächsten Bar treffen wir diese Frau wieder. Sie erzählt uns, dass sie in Wildhaus wohnt und mit einer Gruppe vom Toggenburg unterwegs ist. Auf unserem weiteren Weg nach Roncesvalles treffen wir immer wieder diese Frau und ihre Gruppe. Beim Aufstieg haben wir zunächst einen wunderbaren Blick auf die französischen Pyrenäen. Leider zieht dann bei unserem Mittagshalt dichter Nebel auf und es wird unangenehm kalt. So brechen wir die Pause etwas früher ab und gehen weiter. Beim Roland-Brunnen füllen wir unsere leeren Trinkflaschen auf, um für den Aufstieg zum Leopedor gerüstet zu sein. Kurz nach der spanischen Grenze löst sich der Nebel auf und wir haben eine wunderbare Sicht auf die Berggipfel und bis in die Täler hinunter. Nach dem Foto auf der Passhöhe geht es in strammen Schritten zum Ibaneta Pass runter, wo uns bereits die „Langsampilger“ erwarten. Nach dem Kreuzritual fahren wir gemeinsam zu unserer nächsten Unterkunft La Posada in Estabal. Hier teilen wir DU/WC mit einem anderen Ehepaar. Nach der Körperhygiene bleibt uns noch genügend Zeit, unseren Durst in der Dorfbar zu stillen und uns den ersten Carajillo zu genehmigen. Hier treffen wir auch auf Marcel und später stossen 4 „Mädel’s“ aus unserer Pilgergruppe dazu. Und schon geht’s wieder mit dem Bus zurück nach Roncesvalles zur Pilgermesse. Mangels unserer Spanischkenntnisse verstehen wir kaum ein Wort während der Messe (nur so viel, dass Nicht-Katholiken nicht zur Kommunion zugelassen sind!!!!???)  Für die Opfergabe habe ich Heiner mein ganzes Münz in die Hand gedrückt und er gibt mir 1 Euro wieder zurück. Ich denke mir, komisch sonst ich doch Heiner viel freigebiger und würde auch einen grösseren Betrag opfern. Tja nu, ich packe den Euro wieder ein. Erst nach dem der Opfersack weitergereicht ist, merke ich, dass er mir den Euro wieder gab, dass auch ich etwas in den Opferstock legen kann. Immer diese Kommunikationsprobleme… Nach einem feinen und reichhaltigen Abendessen im Restaurant in Roncesvalles fahren wir mit dem Bus zurück zu unserer Unterkunft und fallen mit einer gesunden Müdigkeit ins Bett.

 

Dienstag, 2. Oktober 2012

Um 8.15 Uhr fahren wir mit dem Bus nach Roncesvalles zum Frühstück mit unseren ersten Tortillas, mmh….. Zum Glück mögen die anderen anscheinend keine Tortillas und ich kann mir gleich 3 Stücke genehmigen! Danach geht es zum nächsten Dorfladen für den Einkauf des Tagesproviants. Nach den Kommissionen fährt uns der Bus nach Zizur Menor, wo wir unsere Wanderung auf der uns bereits von der Velotour bekannten Strecke auf den Monte del Perdon unter die Füsse nehmen. Kurz danach leitet Pius mit einem Impuls das Schweigeritual ein. Bei einem schönen See löst er es wieder mit einem Gedankenaustausch auf. Hier treffen wir auch auf einen Radfahrer mit Anhänger (Kocher, Zelt, Schlafsack usw.), der seit 3 Monaten von Hamburg aus unterwegs ist. Den heutigen Mittagshalt machen wir kurz vor dem Monte del Perdon bei einer Quelle. Gestärkt marschieren wir gemeinsam auf den Gipfel, machen hier einige Erinnerungsfotos bei den „Roststatuen“ und den Windmühlen. Danach geht es recht steil bergab nach Urtega, wo wir uns in einer Bar ein Bier genehmigen und die „Langsampilger“ treffen. Anschliessend wandern wir in zügigem Tempo nach Marzubal, wo Johnny und Edith mit dem Car auf uns warten. Beide Pilgergruppen fahren gemeinsam zur Kirche in Eunate in der wir ein Fest feiern. Danach marschieren wir weiter über Obanos nach Puente la Reina zu unserem Hotel. Nach einer erfrischenden Dusche und dem ersten Wäschewaschen gibt’s heute ein reiches Buffet zum Abendessen.

 


Mittwoch, 3. Oktober 2012

Nach einem ausgiebigen Frühstück vom Buffet starten wir in Puente la Reina um 8.15 Uhr  und marschieren für's Startritual zur Kreuzkirche. Danach gehen wir gemeinsam über die „Puente la Reina“ und fahren anschliessend mit dem Bus nach Irache. Hier steigen wir beim Kloster bzw. bei der Klosterkellerei aus, wo es beim Kellereibrunnen für die Pilger Wein zur Stärkung gibt. Bei diesem Brunnen feiern wir eine gemeinsame Kommunion und bedienen uns am Weinhahnen. Nach der Feier wandern wir zusammen mit Edith weiter. Sie wird abwechslungsweise von unseren Männern (Heiner, Ralph und Gerd) in ihrem Rollstuhl gestossen. Die Langsampilger besuchen das Kloster Irache bevor sie zur Wanderung aufbrechen. Zum Mittagshalt wartet bereits der Bus auf Edith. Kurz bevor unsere Gruppe zum Weitermarsch aufbricht, erreichen auch die Langsampilger den Ort. Nun beginnt unsere Wanderung auf einsameren Wegen durch die Riojalandschaft. Bevor die Zivilisation ganz aufhört, genehmigen wir uns noch einen Kaffee und füllen uns bei der letzten Wasserstation die Trinkflaschen auf. Ab hier wandern wir durch Reb- und Ackerland die Hügel rauf und runter. Nach rund 3 Stunden erreichen wir unser heutiges Tagesziel Los Arcos, wo wir bereits von unseren Mitpilgern erwartet werden. Nach dem verdienten Bier fährt uns der Bus nach Santo Domingo de la Calzada. Hier übernachten wir bei den Schwestern des Zisterzienser-Ordens. Nach der Körperhygiene und dem Waschen der T-Shirts haben wir noch genügend Zeit für die Besichtigung der Kathedrale. Die Kathedrale ist seit dem Hühnerwunder >> von einem Huhn und einem Hahn bewohnt.



Donnerstag, 4. Oktober 2012

Nach dem Frühstück bei den Schwestern verladen wir um 8.15 Uhr das Gepäck in den Bus und gehen für das Startritual zur Kathedrale. Da sie um diese Uhrzeit noch geschlossen ist, gibt uns Pius den Tagesimpuls auf dem Vorplatz. Unser heutiges Tagesziel ist Villamayor. Auf dem Weg dorthin kaufen wir in einem kleinen Dorf unsere Mittagsverpflegung ein. Danach geniessen wir das Schweigeritual in der nun immer offener werdenden Landschaft. In Villamayor erwarten uns bereits die Langsampilger und der Bus für die Fahrt nach Burgos. Nach dem Bezug der Hotelzimmer in Burgos und den sonst noch üblichen Tätigkeiten fährt uns Jhonny um 17.00 Uhr wieder ins Zentrum. Wir besichtigen die Kathedrale mit Pius' kundiger Führung. Anschliessend bleibt noch genügend Zeit für ein Glas Wein mit köstlichen Tapas. Um 19.45 Uhr geht es wieder zurück zum Hotel, wo man uns für’s Abendessen erwartet. Was gibt es wohl heute Abend?..... Pouletschenkel….. (wie gestern) und natürlich wieder ein Schluck Wein. Dieses Mal sogar aus 7dl Flaschen. Leider hat die erste Flasche "Zapfen" und wir bestellen eine zweite, die auch wieder "Zapfen" hat. Diese Flasche tauschen wir einfach mit einer anderen am Tischende aus (mal sehen, ob es die anderen auch merken). Voller Freude wird am Tischende Wein eingeschenkt und es geht nicht lange bis alle Gläser wieder geleert werden und eine neue Flasche bestellt wird…..



Freitag, 5. Oktober 2012

Heute verladen wir bereits um 7.20 Uhr das Gepäck und nehmen um 7.30 Uhr das Frühstück ein. Pünktlich um 8.00 Uhr fahren wir los Richtung Meseta nach Castrojeriz. Hier wandern beide Gruppen gemeinsam zum Mostelares hoch. Dabei werden wir von einem jungen Kätzchen begleitet. Es sieht so ausgehungert aus und  miaut so herzzerreissend, dass es von Heiner auf dem Mostelares mit Brot gefüttert wird. Hier feiern wir auch eine Kommunion mit Wein und Brot, bevor wir weiter durch die einsame Meseta (Kornkammer Spaniens) wandern. Dabei kommen wir an Feldern mit verdorrten Sonnenblumen sowie mit geerntetem Korn vorbei. Unseren Mittagshalt machen wir bei der Fuente del Riojo, wo spontan ein Spanier ein kleiner Kiosk mit Früchten und Getränken eingerichtet hat. Er hat keine vorgeschriebenen Preise, jeder zahlt einfach was er für gerechtfertigt hält. Wer kommt denn da daher? Auf einmal ist das Kätzchen wieder hier und platziert sich beim Kiosk. Auch drudeln die Langsampilger allmählich ein und bringen einem Ungarn den Pilgerpass mit, den er auf dem Mostelares liegen gelassen hat. Danach marschieren wir weiter durch die Meseta an der Kirche und Herberge San Nicolaos vorbei und über de Fluss Pisuerga in die Provinz Palencia. In Hero de la Vega schalten wir einen kurzen Kaffeehalt ein, bevor wir dann zu unserem Zielort Boadillo del Camino durchmaschieren. Hier besuchen wir eine der schönsten Herbergen (schöne Gartenanlage, Waschmöglichkeit) des Camino’s. Bereits während unserer Veloreise haben wir hier einen Kaffee getrunken. Danach fahren wir mit dem Bus weiter nach Leon, wo wir unsere Unterkunft beziehen. Leider ist die Kathedrale wegen der Zeremonie der »Cantaderas« geschlossen. Nach einem feinen und reichhalten Abendessen kugeln wir nur noch ins Bett.



Samstag, 6. Oktober 2012

Heute geht’s auf zum Cruz de Ferro! Um 7.30 Uhr ist frühstücken angesagt und um 8.15 Uhr Abfahrt nach dem Örtchen Orbigo, das wir kurz besichtigen können und in dem wir unseren Tagesproviant einkaufen. Danach geht es weiter nach Foncebadon. Auch hier marschieren beide Gruppen gemeinsam zum Cruz de Ferro begleitet von Edith. Dieses Mal wird sie mit dem Rollstuhl gestossen und an Seilen gezogen. Dabei stellen sich viele Helfer zur Verfügung. Nachdem jede/r ihren/seinen Stein am Cruz de Ferro abgelegt hat und wir ein Gruppenfoto gemacht haben, nehmen wir gemeinsam unseren mitgebrachten Mittagslunch ein. Danach teilt sich die Gruppe wieder auf und wir wandern nach El Acebo hinunter. Hier nehmen wir unseren üblichen Durstlöscher bevor wir nach Ponferrada zu unserem Hotel fahren. Hier haben wir genügend Zeit für’s Duschen, Wäsche machen und eine Stadtbesichtigung. Wir kaufen Esswaren für den nächsten Tag und gönnen uns einen ausgiebigen Apéro. Das Abendessen fälltr grosszügig aus. Nach der Paella erwarten wir nur noch das Dessert, aber oha es kam noch der Hauptgang!!! So haben wir wieder genügend Energie getankt für die morgige Bergetappe.



Sonntag, 7. Oktober 2012

Heute erwarten wir mit Spannung die Wanderung auf den O’Cebreiro Pass. Seinerzeit mussten wir ja mit dem Bike auf der Strasse hochfahren und haben uns damals schon gewundert, wie der Wanderweg wohl ist…. wunderbar….. durch Eichenwälder, durch Hohlwege, an kleinen idylischen Bächen vorbei mit herrlicher Aussicht auf die umliegenden Berge. Wie üblich führen wir wieder unser Schweigeritual durch, das wir vor einer (leider geschlossenen) Kapelle mit dem üblichen Lied wieder auflösen. Der Herbergsvater von der angrenzenden Pilgerherberge hört uns singen und er meint, dass er uns die Kirche öffnet, wenn wir darin nochmals so schön singen würden. Welch ein Zufall, es ist der letzte Tag an dem die Kirche noch besucht werden darf, danach wird sie für die Renovationsarbeiten begast und sie darf für einige Zeit nicht mehr betreten werden. So singen wir nochmals in der hübschen kleinen Kapelle und der Herbergsvater erzählt uns Geschichten der Kapelle. Danach genehmigen wir uns in der Dorfbar einen Kaffee und wandern weiter den Berg hoch. Den Mittagshalt legen wir auf einer Wiese mit herrlicher Aussicht auf die umliegenden Berge ein. Hier erzählt uns Pius die schöne Geschichte über’s Glücksritual, welches wir danach durchführen. Nachher ist es nicht mehr weit bis nach O’Cebreiro. Dort erklärt uns Pius die Geschichte über die Blutkelche in der Kapelle. Vor der Weiterfahrt mit dem Bus geht’s noch kurz in die Bar für ein Bier, in der wir seinerzeit übernachtet hatten. Anschliessend bringt uns der Bus zu der anderen Gruppe und wir fahren gemeinsam nach Sarria zur Pilgerherberge. Hier übernachten wir wieder in Mehrbettzimmern mit Schlafsack und den üblichen Nebengeräuschen. Trotz der spärlichen sanitären Einrichtungen (2 WC und 4 Duschen) geht das Ganze wie am "Schnürli" ab. Wir haben genügend Zeit, die schöne Altstadt zu besichtigen und uns noch ein/zwei Apéro zu genehmigen. An den nun vielen Pilgern merken wir, dass wir allmählich näher ans Ziel Santiago kommen. Das gemeinsame „Megaabendessen“ nehmen wir im Méson Roberto ein, wo wir am nächsten Morgen auch wieder frühstücken.



Montag, 8. Oktober 2012

Nach einer relativ ruhigen und schlafreichen Nacht, geht’s um 7.15 Uhr zum Frühstück und dann um 8.00 Uhr weiter nach Portomarin. Hier marschieren wir, die Weitpilger, gleich los und schon beim Abmarsch spüren wir die ersten Tropfen. Es nieselt aber nur während kurzer Zeit und es trocknet bald wieder ab. Unterwegs legen wir kurz einen Kaffeehalt ein und werden immer wieder von „Pilgerscharen“ überholt bzw. von ganzen Schulklassen, die sich auf dem Jakobsweg befinden. Auch treffen wir heute immer wieder auf dieselben Pilger. Die Anzahl Pilger nimmt von Tag zu Tag zu. Kurz vor Palais de Rey wartet der Bus auf uns und nachdem wir die Langsampilger auch aufgenommen haben, geht es weiter zur heutigen Unterkunft. Zu unserer Überraschung übernachten wir heute in einem Herrschaftshaus, das liebevoll umgebaut worden ist. Da unser Chauffeur Johnny einen Ruhetag einlegen muss und diesen in Santiago einziehen wird, verfügen wir morgen nicht über den Bus. Dies bedeutet, dass wir bereits heute noch vor dem Abendessen das Gepäck wieder verladen müssen und für morgen nur noch das nötigste in den Rucksack packen. Schnell geduscht, frische Kleider auch schon für morgen angezogen, die nötigsten Toilettenartikel bereitgelegt und schon bringen wir das übrige Gepäck wieder in den Bus. Den Abend lassen wir im Salon bei einem Glas Weisswein angehen, bevor uns dann wieder ein feines Abendessen serviert wird.


Dienstag, 9. Oktober 2012

Nach der Nacht im prunkvollen Zimmer gibt’s bereits um 7.45 Uhr Frühstück und schon wartet der Ersatzbus auf uns. Um 8.15 Uhr fährt er uns zum Ausgangspunkt für unsere heutige Wanderung zur Kathedrale von Santiago de Compostella. Heute ist es stark bewölkt und bereits beim Abmarsch nieselt es leicht. Nach dem Kaffeehalt beginnt es so stark zu regnen, dass wir den Regenponcho montieren müssen. Trotz des galizischen Regens entscheiden wir uns noch für eine letzte Stärkung in der Bar von Lavacolla. Danach öffnet der Himmel erst so richtig seine Schleusen und es schüttet wie aus Kübeln. Dies trübt weder unsere gute Laune, noch hindert es uns am weitergehen. Kurz vor dem Monte Gozo hört es auf zu regnen. Bei gutem Wetter sieht man von hier aus schon die Türme der Kathedrale. Leider ist es heute zu wolkenverhangen. Dafür ist aber die kleine Kapelle offen und wir können unseren letzten Stempel vor Santiago in den Pilgerpass setzen. Wir wandern den Hügel hinunter an den öffentlichen Pilgerherbergen vorbei. Im Sommer werden hier zusätzlich Zelte aufgestellt und täglich rund 10‘000 Personen beherbergt. Bei der Ortstafel „Santiago“ schiessen wir noch ein letztes Erinnerungsfoto vor der Zielerreichung. Von nun an ist die Spannung in der Gruppe förmlich zu spüren und der Weg durch die Stadt zieht sich durch weniger schöne Häuserreihen dahin. Dann geht es auf die Treppe zu auf der wir bereits mit dem Rad zur Kathedrale runter gelaufen sind. Das Ziel ist erreicht….. und der Himmel bzw. die Wolken weiten sich, so dass die Sonne zum Vorschein kommt. Gerade richtig um uns zu empfangen. Während wir uns gegenseitig zur Leistung beglückwünschen, stossen auch die Langsampilger zu unserer Gruppe und schliessen sich den Gratulationen an. Danach gehen wir in die Kathedrale zum Schlussritual. Da noch einige Zeit bis zum Abmarsch zur Unterkunft bleibt, begiessen wir die Ankunft mit Ralph und Gerd in einem Strassenkaffee. Diese Nacht verbringen wir in der Pilgerunterkunft "Casa de Ejercicios Espirituales" in ehemaligen Nonnenzellen. Vor dem Abendessen bleibt genügend Zeit für eine ausgiebige Dusche, für’s umpacken der Taschen und SMS nach Hause schreiben. Nach dem wir einen Nachtschlüssel erhalten haben, gehen wir nochmals zur Kathedrale in Erwartung, dass hier wieder so viel Trubel ist wie bei unserer Veloankunft vor 3 Jahren. Auf dem Vorplatz singen dann auch zwei Tenöre denen wir eine zeitlang zuhören sowie eine Gruppe Südamerikaner. Im Vergleich zu vor 3 Jahren hatte es sehr wenig Leute auf der Gasse. Es kommen immer noch Pilger an und setzen sich auf den Vorplatz, um die Kathedrale zu bestaunen. Nachdem wir genug Musik gehört haben, gehen wir durch die „Fressgasse“. Auch hier sind bereits einige Lokale geschlossen, aber das „Fassbeizli“ ist noch offen und wir genehmigen uns ein Glas vom hiesigen Wein. Auf dem Heimweg treffen wir auf eine Gruppe Mitpilger, denen wir uns anschliessen. Danach gehen wir gemeinsam zurück zum Kloster.


Mittwoch, 10. Oktober 2012

Heute können wir mal ausschlafen, da es erst um 8.30 Uhr Frühstück gibt. Danach gehen wir in die Stadt und machen die Souvenir Läden unsicher. Dabei ergattern wir Camino-Velotrikots und Camino-T-Shirts mit einem bärtigen Radler, der gut zu Heiner passt. Nachdem wir die Stemplerei erledigt und uns einen feinen Kaffee genehmigt haben, gehen wir bereits um 10.30 Uhr in die Kathedrale für die Pilgermesse um 12.00 Uhr. Es ist höchste Zeit und wir ergattern gerade noch die letzten 2 Plätze im vorderen Chor. Endlich ist es 12.00 Uhr und die Pilgermesse beginnt. Es werden die Pilger begrüsst, die am Vortag angekommen sind, so auch unsere Gruppe. Leider verstehen wir wenig von der enthusiastischen Predigt des Pfarrers, dafür wird dann der Segen in den verschiedenen Sprachen erteilt. Zum Schluss folgt dann noch der Höhepunkt: Der Botafumeiro wird geschwenkt (dank Pius, der das für uns organisiert hat). Video >>  Nach der Messe haben wir noch kurz Zeit, um Tapas im „Fassbeizli“ zu essen, bevor es dann mit dem Bus nach Finisterre weitergeht . Während der Fahrt regnet es in Strömen und es windet stark. Als wir in Finisterre aussteigen, um ans Ende der Welt zum Schlussritual zu laufen, regnet es nur noch leicht. Kurz darauf öffnen sich leider die Himmelsschleusen und es regnet wie aus Kübeln. Wir fliehen unter das Dach der Fischhalle und warten ab. Währenddessen informiert sich Pius beim Leuchtturm über das dortige Wetter und teilt uns mit, dass es weiterhin stark regnen und winden wird. So entscheiden wir uns mit dem Bus zum Leuchtturm ans Ende der Welt zu fahren. Kaum sitzen wir im Bus hört es auf zu regnen, aber der Wind bleibt sehr stark. Die letzten Meter zum Kilometerstein 0 gehen wir zu Fuss und machen hier ein Gruppenfoto. Anschliessend gehen wir auf die Klippen und versuchen, doch noch ein Feuer für das Schlussritual zu machen. Es gelingt nicht mal den Weihrauchstein anzuzünden. So schaufelt Pius ein Loch und wir können hier unsere Gegenstände eingraben anstatt verbrennen. Es ist nämlich der Brauch, am Ende der Welt einen Gegenstand zu verbrennen (früher die Schuhe) und im Meer zu baden, um anschliessend gereinigt wieder nach Hause gehen zu können. Nach dem Ritual kann sich jeder noch genügend Zeit nehmen, um auf den Klippen zu verweilen. Der Nebel lichtet sich langsam und der Horizont sowie das Meer werden sichtbar. Wir geniessen die starke Meeresbrise noch einen Moment und gehen anschliessend zu einem Espresso in die Bar, wo wir Johnny treffen. Vor der Rückfahrt ins Dorf spendiert uns Edith noch einen Apéro beim Bus. Im Hotel haben wir genügend Zeit die Taschen für die Heimreise zu packen, zu Duschen und uns anschliessend am pitoresken Hafen mit den kleinen, farbigen Fischerbooten bei einem Apéro zu verweilen. Nach dem gemeinsamen Abendessen im Hotel verteilen Pius und Elmar in humorvoller Art die Urkunden, dass wir das äusserste Ende der Welt bei Finisterre in Nordwestspanien nach rund 930 km Pilgerfahrt von Saint Jean-Pied-de-Port nach Finisterre pilgernd erreicht haben. Danach gehen wir nochmals mit unseren Mitpilgern in ein Hafenbeizli zum Schlummertrunk.

 

 

Donnerstag, 11. Oktober 2012

Nach einer stürmischen und regenreichen Nacht starten wir heute unsere Heimreise früh: 6.00 Uhr Tagwache, ab 6.30 Uhr Gepäck verladen, 6.45 Uhr Frühstück, 7.30 Uhr Abfahrt. Zunächst fahren wir zum Flughafen in Santiago. Elmar unser Langsampilger-Leiter tritt aus familiären Gründen die Heimreise mit dem Flugzeug an. Danach geht die Fahrt weiter Richtung Atlantik, dem wir bis Bilbao folgen. Dabei kreuzen wir des öfteren den Camino del Norte, der bis Ribadeo dem Atlantik entlang führt. Wir haben eine wunderbare Sicht auf das Meer. In Bilbao übernachten wir. Die einen nutzen die Zeit noch zum Shoppen im nahegelegenen Center und die anderen sitzen gemütlich in der Bar bis zum Abendessen.

 

 

Freitag, 12. Oktober 2012

 

Tagwache ist immer früher angesagt, heute bereits um 5.45 Uhr, 6.30 Uhr Frühstück, 7.15 Uhr Abfahrt. Wir fahren noch bei Dunkelheit über die Autobahn und blicken auf das beleuchtete Bilbao. Allmählich wird es Tag und wir passieren die französische Grenze. Nun peilen wir unseren nächsten Zwischenstopp in Clermont Ferrant an. Hier angekommen, machen wir noch unseren Eintrag im Pilgerbuch von Pius, genehmigen uns ein „Monaco“ an der Hotelbar bevor es dann schon wieder Abendessen gibt.

 

 

Samstag, 13. Oktober 2012

 

Der Start in den Tag läuft ähnlich wie am Vortag ab. Am Vormittag passieren wir die Schweizer Grenze und haben heute Mittag zum ersten Mal wieder Schweizerkost. Danach geht’s auf direktem Weg nach Ennetbürgen, wo unsere Mitpilger bereits von ihren Lieben erwartet werden. Nach der allgmeinen Verabschiedung nehmen wir zusammen mit Pius noch die letzten Kilometer nach Hause unter die Räder. Gegen 20.00 Uhr treffen auch wir nach einer eindrücklichen und nachhaltigen Reise daheim ein.