Bregenzerweg

Sonntag, 27. Januar 2013 - Widnau bis Altstätten (10 km)

 

Über die 1913–14 als Stahlkonstruktion gebaute Rheinbrücke erreicht man den Ortsrand des Dorfes Widnau, das im Mittelalter zum Reichshof Lustenau gehörte. Vom Zollamt geht man ein kurzes Stück auf der Rheinstraße bis zu einem Kanal, wo die Route nach links abzweigt. Von dort kommt man abwechselnd auf Gemeindestraßen und Fußwegen (Böschachstrasse, Alpweg, Unterbüntelistraße, Bünteliweg) in wenigen Minuten zur katholischen Pfarrkirche. Die 1903 erbaute Kirche ist zwar dem heiligen Josef geweiht, doch für Jakobspilger ist von Interesse, dass Widnau zuvor ein St. Jakobs-Patrozinium hatte, das zumindest bis zum Jahre 1504 zurückreicht. Aus Tradition wird die Widnauer Kilbi (Kirchweihfest) jetzt noch an jenem Sonntag gefeiert, welcher dem Jakobitag (25. Juli) am nächsten ist. Im „Jakobihus“ hinter der Kirche ist auch eine schöne alte Statue des heiligen Jakobus  mit den typischen Pilgerattributen zu sehen. Ein Wegweiser nahe am Friedhof zeigt die Fortsetzung der Pilgerroute zunächst in Richtung „Drei Brücken“. Auf dem Rütiweg kommt man zur Hauptstraße, wo man links in einer Entfernung von kaum 100 Metern in einem kleinen Park noch Mauerreste der früheren und 1990 abgebrochenen St. Jakobskirche sieht. Beim ampelgeregelten Fußgängerübergang quert man die Hauptstraße und kommt auf der Aegetholzstraße durch Wohngebiet zum Ortsrand beim Rheintaler Binnenkanal. Von da geht man ein Stückweit auf der Lindenstraße und danach auf einem Fahrweg ohne Hartbelag weiter dem Kanal entlang. Kaum 5 Minuten vom Ortsrand entfernt führt die Route an der 1978 erbauten Einsiedlerkapelle vorbei. Sie beherbergt eine Schwarze Madonna, mit der sich die alte Beziehung der Widnauer zum Wallfahrtsort Einsiedeln zu erkennen gibt. Von da geht man noch etwa zwei Stunden bis Altstätten. Hier, wo die Rheintalebene ihre größte Breite hat, führt die Route einmal mehr in die beeindruckende Weite der Riedlandschaft. Bis zur Wegkreuzung bei den drei Brücken geht man dem Rheintaler Binnenkanal entlang und danach weiter am Ufer der leise dahinplätschernden Rietaach bis zum östlichen Ortsrand von Altstätten. Zuletzt gelangt man am Bahnhof vorbei und durch die Bahnhofstraße mitten in das alte Zentrum des Landstädtchens. Die wechselvolle Geschichte von Altstätten – 853 Altsteti geschrieben – lässt sich zwar bis ins frühe Mittelalter verfolgen, doch das heutige Bild der Altstadt ist vor allem durch sehenswerte Bauten des 18. Jahrhunderts geprägt. Aus dieser Zeit stammt auch die große Pfarrkirche St. Nikolaus, die bis zum Bau der benachbarten reformierten Kirche (1904-06) von Katholiken und Protestanten gemeinsam benutzt wurde. Spätestens seit dem 16. Jahrhundert verfügte Altstätten auch über ein „Seelhaus“ oder „Spital“, in dem durchziehende Pilger aufgenommen wurden. Heute werden die Pilger in guten Gasthöfen und Hotels willkommen geheißen.

 


Samstag, 26. Oktober 2013 - Altstätten bis Gonten (22 km)
 

In Altstätten befindet sich nahe der oberen Altstadt der Appenzeller Bahnhof. Der dortige Wegweiser zeigt den kürzesten Weg zum Stoss, den fast 500 m höher gelegenen Passübergang. Es ist der Verlauf der 1799 gebauten Straße, die, wie es früher normal war, ziemlich steil angelegt ist. Zudem ist sie heute asphaltiert. Da ziehen es viele Wanderer vor, in der unteren Hälfte genüsslich einen kleinen Umweg zu machen. In diesem Fall geht man in Richtung Eichberg auf einen Hügel zu, auf dem die Forstkapelle steht. Sie ist mit ihrer spätgotischen Marienstatue in der Region Altstätten ein viel besuchter Wallfahrtsort und seit der Renovierung im Jahre 1963 auch durch die Glasmalereien von Ferdinand Gehr bekannt. Vom Wegweiser vor der Kapelle geht man noch ein Stück in Richtung Eichberg weiter. Dabei lässt sich von dem über einen Höhenrücken führenden Fußweg eine herrliche Aussicht ins Rheintal genießen. Beim nächsten Wegweiser zweigt man in Richtung Stoss ab. Nun geht es zwar steiler, aber vorerst noch auf einem idyllischen Wirtschaftsweg aufwärts. Beim Gasthof Alter Zoll gelangt man zur historischen Stossstraße, auf der man noch eine Stunde bergwärts geht. Nahe der Wanderroute verläuft auch das Gleis der seit 1911 bestehenden Lokalbahn Altstätten – Gais. Auf dem Stoss mit seinen weiten Ausblicken über das Rheintal erinnert eine Kapelle an die Schlacht des Jahres 1405, in der es den Appenzeller Bauern gelungen war, hier ein übermächtiges habsburgisches Heer zu besiegen. Zum Dank für die damit gewonnenen demokratischen Freiheiten führt jetzt noch an jedem 14. Mai eine Prozession von Appenzell-Innerrhoden hierher. Unsere Route zieht sich oberhalb der Straße zuerst auf einem Fahrweg, bald auf einem aussichtsreichen Fußweg nach Gais. Der dort fast kleinstädtisch anmutende Ortskern hat sein reizvolles Aussehen nach einem Dorfbrand im Jahre 1780 gewonnen und seither fast ungestört bewahrt. Vom Dorfplatz geht man zunächst zum Bahnhof und vom Ortsrand abwechselnd auf Fuß und Wirtschaftswegen durch eine breite Hochtalmulde. Auf einem Wiesenpfad kommt man schließlich abwärts in den Tobelwald des Guggerlochs, wo der Weg an der St. Ottiliakapelle vorbeiführt. Von der dortigen Quelle erzählt die Legende, dass ihr Wasser heilsam gegen Augenkrankheiten sei. Von einer Anhöhe darüber führt der Weg talwärts. Sobald man aus dem Wald heraustritt, sieht man im Tal der Sitter auch schon das Dorf Appenzell, den Hauptort des Kantons Appenzell-Innerrhoden. Vor dem Ortseingang über die Sitterbrücke vereinigt sich die von Altstätten her kommende Pilgerroute mit dem Verbindungsweg Rankweil – Eggerstanden – Appenzell, der in früheren Jahrhunderten ebenfalls viel begangen wurde. Appenzell ist ein Dorf mit so eigenartig ländlichstädtischem und mit Reizen einer farbenfrohen Verspieltheit geprägtem Charakter, dass man dort gerne eine Rast einlegt. Für die geistige Einkehr der Pilger laden an der Hauptgasse die große Pfarrkirche St. Mauritius mit der Unterkirche St. Stephanus und St. Eligius, die Kreuzkapelle mit Glasmalereien von Ferdinand Gehr sowie das Kapuzinerkloster ein. Unweit des Kapuzinerklosters geht man auf der Gasse der Sandgrube zur Umfahrungsstraße und folgt dieser bis zur Abzweigung eines Fußweges, der durch ein Wiesentälchen dem Kaubach entlang aufwärts nach Gontenbad führt. Hier wandert man auf der Sonnenseite eines weiten Hochtals abwechselnd auf Hofzufahrten und Wiesenpfaden – hier übrigens auch zum Barfußgehen empfohlen – zum Dorf Gonten. In Gonten sind recht verschiedene Traditionen der Pilgerschaft vereint. Erstens ist die eigene Pfarrkirche mit dem seit dem 17. Jahrhundert verehrten Gnadenbild „Maria zum Trost“ ein regionales Wallfahrtsziel. Zu denken gibt vor allem auch das seit 1651 bezeugte Wappen von Gonten, das vor dem Hintergrund der spanischen Nationalfarben Gold und Rot zwei Pilgerstäbe zeigt. Das Wappenbild bezieht sich auf die Legende, nach welcher St. Jakobus zwei Pilgerstäbe von Santiago de Compostela bis auf den Kronberg bei Gonten geworfen habe. Daraufhin sei dort die heilkräftige Jakobsquelle entsprungen. So gab die Legende auch den Anstoß, am Kronberg eine St. Jakobs-Kapelle zu bauen. Seit dem 16. Jahrhundert wurde Gonten als letzte katholische Gemeinde vor dem Weg durch das reformierte Außerrhoden von den vom Rheintal nach Einsiedeln ziehenden Pilgern als Etappenort gewählt. Heute sind Jakobspilger zwar auch im evangelisch dominierten Nachbardorf Urnäsch gern gesehene Gäste, doch mit 6 Stunden Gehzeit ist für viele die Tagesetappe lange genug, um das Wandern erst nach einer erquicklichen Nachtruhe fortzusetzen.

 


Freitag, 6. Juni 2014 - Gonten bis St. Peterzell (20 km)

Im Gontner Ortsteil Jakobsbad verdient auch das im 19. Jahrhundert erbaute Frauenkloster „Leiden Christi“ Beachtung. Bevor es dieses Kloster gab, befand sich dort ein bildlin passionis Christi, das besonders von den nach Einsiedeln bzw. Santiago de Compostela wallfahrenden Pilgern verehrt wurde. Von dem von Kapuzinerinnen geführten Kloster geht man auf einem 2006 neu gestalteten „Besinnungsweg“ bergwärts. Dieser beginnt als Bergsträßchen und führt abwechselnd als Waldweg und Wiesenpfad zu den Weiden von Unter-Lauftegg (ca.1000 m). Danach kommt man durch ein Waldtobel, das die Kantons-grenze zwischen Inner- und Außerrhoden bildet, zu aussichtsreichen Hanglagen. Vom Chräghof geht man auf der Zufahrt der Berghöfe talwärts und über den Bach ins Dorf Urnäsch. Urnäsch hat einen sehenswerten Dorfplatz mit schönen Holzhäusern und einer reformierten Pfarrkirche, die nach dem Dorfbrand von 1641 erbaut wurde. Vor der Reformation wurden hier die Apostel Jakobus und Philippus als Kirchenpatrone verehrt. Zum Brauchtum gehört heute noch die Jakobifeier auf der Hochalp, die an jenem Sonntag stattfindet, der dem Jakobitag am nächsten ist. Volkskundlich interessant ist auch das Brauchtums-museum am Dorfplatz. Gegenüber dem Traditionsgasthof Krone geht man auf der Tüfenbergstraße ins Oberdorf. Auf einem Fußweg, später auf einer Höfezufahrt gelangt man auf die sonnigen Hanglagen von Buechen. Bei einem Berghof zeigt die Markierung auf den Beginn eines Wiesenpfads, der zum bewaldeten Höhenrücken führt. Am Tüfenberg wird bei 1135 m ü. M. der höchste Punkt der Wanderroute erreicht. Danach geht es über die Alpe Fohlenweid auf Wirtschafts- und Wiesenwegen über Fuchsstein gemütlich abwärts ins Dorf Schönengrund. Auf der von Schönengrund nach Bächli führende Straße geht man ein paar Minuten bis zu einem nach rechts abzweigenden Fußweg, der zumeist als Wiesenpfad zum Ortsteil Tüfi führt. Von dort kommt man auf einer Zufahrt zu den Höfen am Stofel. Danach geht es auf einem Wirtschaftsweg über unbewaldete Hanglagen talwärts. Beim Blick ins Tal der Necker sieht man bald die Häuser von St. Peterzell. Beim alten Gasthof Rössli erreicht man den Ortsrand und wenige Minuten später die den Mittelpunkt des Dörfchens bildende alte Propstei. Hier erinnert schon der Ortsname an ein im 12. Jahrhundert vorhandenes kleines Kloster, das damals als cella Sancti Petri der Abtei St. Johann im Toggenburg gehörte. 1555 wurde St. Peterzell eine Propstei des Klosters St. Gallen. Der Ort verfügt neben den aus dem 17. –18. Jahrhundert stammenden Kloster- und Kirchenbauten auch über schöne alte Bürgerhäuser.